HWK-Präsident Manfred Scharfenberger während seiner Ausführungen im Pressegespräch zur Wiedereinführung des Berufswahlpasses (BWP) in der Berufsorientierung an Südthüringer Schulen.
HWK-Präsident Manfred Scharfenberger während seiner Ausführungen im Pressegespräch zur Wiedereinführung des Berufswahlpasses (BWP) in der Berufsorientierung an Südthüringer Schulen.

Berufswahlpass für Schüler zum Schuljahr 2017/18 neu eingeführt

Gemeinschaftsprojekt von HWK und IHK Südthüringen

Mit dem Schuljahr 2013/2014 wurde die Förderung des Berufswahlpasses über den Europäischen Sozialfonds in Thüringen eingestellt. Damit verschwand an den Schulen aller Schularten ein seit 2004 etabliertes Instrument jahrgangsübergreifender Dokumentation des Berufsorientierungsprozesses für Schüler, Lehrer, Eltern und Unternehmen. Mit dem Schuljahr 2014/2015 gibt es den Berufswahlpass ausschließlich in digitalisierter Form, jedoch ohne ausreichende Akzeptanz.

Mit der Umstellung auf die ausschließlich digitalisierte Form steht den Schülern, Lehrern und Eltern seitdem keine „Hardware“ oder „händische“ Version mehr zur Verfügung. Die Folgen daraus sind andere als erwartet.

Sicher war und ist es das Ziel, moderne Möglichkeiten individueller Dokumentationen zu nutzen. Allerdings wurde offensichtlich deutlich unterschätzt, dass auch die nachvollziehbare Dokumentation in Schriftform für alle Beteiligten und Akteure wichtig ist. Es entstand und steht u.a. die Frage, wie Schulen und Eltern die Ordner finanzieren oder organisieren, wo die Zeit für die erforderlichen Ausdrucke aus dem Thüringer Schulportal rekrutiert wird, ob die Technik in den Schulen und /oder Elternhäusern dafür immer zur Verfügung steht.

Die Folge ist, dass sich Schulen aus der Nutzung des Berufswahlpasses für die Berufsorientierung zurückgezogen haben. Schulen betonen jedoch mehrfach den Nutzen des Berufswahlpasses in der Hardwareversion mit den zusätzlich möglichen digitalen Ergänzungsmöglichkeiten. Das hat sich in den beiden Fachkonferenzen zur praxisnahen Berufsorientierung in Südthüringen 2016 und 2017 deutlich gezeigt.

Auf dieser Grundlage haben sich die HWK und die IHK Südthüringen entschieden, die Wiedereinführung des Berufswahlpasses in Hardwareform an den Südthüringer Schulen zu unterstützen und zu finanzieren. Mit dieser Entscheidung im September 2016 wurde zur aktiven Wiedereinführung des Berufswahlpasses die Kommunikation mit den Schulen, der Agentur für Arbeit und dem Schulamt Südthüringen gesucht und die Bedarfe erfasst.

Ein Workshop im Februar 2017, an dem Vertreter der Schulen, Ausbildungsberater der Kammern, Vertreter des Schulamtes Südthüringen und Berufsberater der Agentur für Arbeit Suhl teilnahmen und eine detaillierte Analyse, und Nachfrage in den Schulen direkt, konnten die Bedarfe genau erfassen.

Die Resonanz bestätigt den praktischen Nutzen des Berufswahlpasses für die Arbeit der Schulen im Rahmen der praxisnahen Berufsorientierung. Das umso mehr, als dass die neue Schulförderrichtlinie seit 2016 die Arbeit der Schulen und Bildungsdienstleister mit den Schülern nicht erleichtert hat.

Mit der Initiative der IHK und HWK Südthüringen werden nun seit drei Jahren erstmals wieder an insgesamt 72 Schulen im Bereich Südthüringen, dem Ilm-Kreis, dem Wartburgkreis und der Stadt Eisenach für 3.978 Schüler der 7. Klassen von Regelschulen und Förderzentren und der 9. Klassen von Gymnasien Berufswahlpässe in Ordnerform  ausgehändigt. Das sind 69 Prozent aller Schulen dieser Gebiete. Die Ausgabe des Berufswahlpasses an die Schulen erfolgt ab dem 28. August 2017.

Die IHK und die HWK Südthüringen werden dieses Projekt auch in den nächsten beiden Schuljahren begleiten und evaluieren. Das Land Thüringen ist eingeladen, dieses wichtige Instrument nachhaltiger Dokumentation und Aktivität der Berufsorientierung von Schülern auch finanziell wieder zu unterstützen. Dem Dialog dazu steht nichts im Weg.