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BO mit Bodo

Ministerpräsident bei Berufsfelderkundung

Siebtklässlerinnen und Siebtklässler der Anne-Frank-Regelschule Themar waren auf Berufsfelderkundung im BTZ Rohr-Kloster. Ministerpräsident Bodo Ramelow schaute ihnen über die Schulter und traf sich zum Austausch mit Handwerksvertretern und Schulleitern der Region.

 

Profisportler oder Wissenschaftlerin, Tierärztin oder Influencer - Mit zwölf Jahren wollen Jugendliche Vieles werden, doch wie es sich anfühlen würde, genau diesen Beruf auch wirklich auszuüben, darüber herrscht in der Regel große Unklarheit. Aus diesem Grund gibt es an Thüringer Schulen die Berufliche Orientierung (BO) als festen Teil des Lehrplans. Einmal selbst den Hammer, die Kelle oder den Stift in die Hand zu nehmen und selbständig eine ungewohnte Fragestellung zu bearbeiten, gibt oft bereits einen entscheidenden Impuls für die künftige Berufswahl. Zahlreiche Schulen der Region arbeiten vor diesem Hintergrund mit dem Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster der Handwerkskammer Südthüringen zusammen. Bei gemeinsamen Erkundungstagen in den Werkstätten des Campus gibt es branchenübergreifende Tätigkeiten aller Art zum Anfassen und Ausprobieren.

 

Prominenter Besuch

Nun staunten die Siebtklässlerinnen und Siebtklässler der Anne-Frank-Regelschule aus Themar nicht schlecht, als sie bei ihrer BO ganz besonderen Besuch bekamen: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow trat durch die Tür und machte sich ein Bild von ihren Projekten: Klassisch handwerklich ging es zu in den Berufsfeldern Elektrotechnik und Bauhandwerk, wo mit Lötkolben und Maurerkelle gearbeitet werden durfte. Am Ende standen die selbst zusammengebaute Solar-Windmühle oder das selbst hochgezogene Mauerwerk. Doch auch die Berufsfelder Gesundheit und Soziales sowie Marketing standen auf dem Programm, wo es unter anderem darum ging, eine Zahnpasta nach eigenem Geschmack anzumischen und sich in Teamarbeit ein Werbekonzept für die eigene Firma zu überlegen.

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Welch große Bedeutung die gemeinsame Berufliche Orientierung und Berufsfindung in Rohr für seine Schule hat, machte auch Schulleiter Matthias Beschow deutlich: Es sei wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler rechtzeitig eine Berufsvorstellung entwickelten, damit für sie in den Jahrgangsstufen 9 und 10 passende Betriebspraktika gefunden werden können. Hierfür seien Orientierungsangebote über das schulinterne Angebot hinaus unerlässlich. Matthias Eger und Jürgen Haaß, Schulleiter der Regelschule Steinbach-Hallenberg und des Gymnasiums Schmalkalden, pflichteten ihm bei. Auch sie waren zur Gesprächsrunde mit Ministerpräsident Ramelow gekommen, um über den Stand der beruflichen Orientierung zu sprechen. Dabei wurde deutlich: Unabhängig von der Schulform müsse die Berufliche Orientierung früh in die Schule und in das Bewusstsein der Eltern geholt werden. Die Potenzialanalyse in der siebten Jahrgangsstufe sei ein guter Zeitpunkt dafür, führte Matthias Eger aus, und verwies auf den erfolgreich etablierten Weg über Berufsfelderkundung und Berufsfelderprobung. Die Praktika auf dem Bildungscampus seien ein elementarer Bestandteil der BO und die Schülerinnen und Schüler profitierten davon, vor Ort mit Fachkräften zusammenzuarbeiten und deren Perspektive kennenzulernen. "Jeder Schüler sollte mal einen Hammer in der Hand gehabt haben," war sich Jürgen Haaß sicher und betonte: "Das BTZ in Rohr ist ein kleiner Schatz, hier müssen wir andocken!"



Schulische Ebene entscheidend

Bei Bodo Ramelow, der selbst den Ausbilderschein besitzt, rannten die drei Schulleiter damit offene Türen ein: Die schulische Ebene sei entscheidend, führte der Ministerpräsident aus. Auch ihm habe es gut getan, zuerst einen Beruf erlernt und dann den zweiten Bildungsweg beschritten zu haben. "Ich konnte so viel reifer entscheiden, was ich mit meiner Berufszeit anfange", unterstrich er seine Botschaft, dass die Berufsausbildung eine vollwertige Alternative zur akademischen Bildung sei. Dies gelte umso mehr, als dass sich in den vergangenen Jahren die Einkommensverhältnisse stark verändert hätten. "Handwerk hat goldenen Boden!", zitierte Bodo Ramelow den altbekannten Sinnspruch, der heute aktueller denn je ist. Allerdings seien viele einst allgegenwärtige Berufe im Alltag nicht mehr sichtbar, weshalb praktischer Unterricht so bedeutsam sei. Er freute sich, dass die Partnerschaft mit dem Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster sich so gut eingespielt habe und auf Wertschätzung der Projektpartner treffe: "Das BTZ hat sich neu erfunden und nun höre ich, wie wichtig es ist, dass man's hat!", fasste er zusammen.

 Dieser Meinung sind sicher auch die Schülerinnen und Schüler aus Themar, die von ihrem Orientierungstag mit einem nützlichen Andenken nach Hause gehen durften: Aus den Händen des Ministerpräsidenten erhielten sie ihre persönlichen Berufswahlmappen "BO-Kompakt" und damit einen praktischen Wegweiser, um bei ihrer persönlichen Suche nach dem passenden Berufseinstieg nie den Überblick zu verlieren.