Manfred Scharfenberger
HWK

"Eine Abwärtsspirale tut sich auf!"

Steigende Preise und fehlendes Material machen dem Bau- und Ausbauhandwerk zu schaffen. HWK-Präsident Manfred Scharfenberger fordert Unterstützung von der Politik.

Kaum entspannt sich die Corona-Lage, sehen sich die Südthüringer Handwerker mit neuen Problemen konfrontiert.

„Die Auftragsbücher sind voll. Aber es fehlt an Material, um Arbeiten ausführen zu können. Es entstehen inakzeptable Wartezeiten. So müssen Unternehmen trotz voller Auftragsbücher teilweise Kurzarbeit anmelden und ihre Kunden vertrösten. Parallel dazu steigen die Rohstoff-Preise rasant“, warnt Manfred Scharfenberger, Präsident der Handwerkskammer Südthüringen. Speziell betroffen seien Betriebe des Bau- und Ausbauhandwerks.

Egal ob Holz, Aluminium, Kupfer, Eisen, Farbe oder Dämmstoffe – die Preise hätten weltweit Rekordniveau erreicht. Die Preise für Holz beispielsweise hätten sich auf dem Weltmarkt mehr als verdoppelt, Tendenz steigend. Mittlerweile seien die bestehenden Preislisten für Material außer Kraft gesetzt worden, es würde nur noch mit Tagespreisen gehandelt.

„Für den Handwerker, der verbindliche Angebote für seine Kunden erstellen muss und will, ist das eine Katastrophe. Denn das Risiko bleibt bei ihm“, so Scharfenberger, „Bauprojekte geraten ins Stocken. Das hat Auswirkungen auf die weiteren Gewerke, die die nachfolgenden Arbeiten im Innenausbau nicht ausführen können. Daraus resultieren in letzter Konsequenz bei nicht fristgerechter Fertigstellung Konventionalstrafen. In Zeiten, in denen unsere Betriebe ohnehin finanziell angeschlagen sind, ist das tödlich. Eine Abwärtsspirale tut sich auf.“ Oftmals seien die Verträge für Bauprojekte vor Monaten abgeschlossen worden, als die Rohstoffpreise noch deutlich niedriger waren. Heute hingegen würden die Kosten explodieren.

Der Präsident der Handwerkskammer Südthüringen fordert daher Unterstützung von der Politik. „Wir brauchen ein klares Gegensteuern und dürfen unsere Handwerksbetriebe mit diesem Problem nicht allein lassen. In vielen Branchen zeigt die Corona-Krise bereits massive Auswirkungen. Nun sollte nicht auch noch das Bauhandwerk gebeutelt werden.“

Die Thüringer Handwerkskammern hätten bereits erste Gespräche mit dem Thüringer Wirtschaftsministerium geführt. „Von dort kamen positive Signale, diese Problematik auf Bundesebene vorzutragen“, so Scharfenberger.

Vor dem Hintergrund, dass die Rohstoffmärkte momentan von den USA und China leergekauft werden, sei seitens der Handwerkskammern eine befristete Exportbeschränkung von benötigten Rohstoffen vorgeschlagen worden.

„Die Bundesregierung muss über eine Anhebung der Exportzölle auf die entsprechenden Rohstoffe nachdenken, um die einheimischen Handwerksunternehmen zu unterstützen. Handwerk braucht einen stabilen Binnenmarkt“, so der Kammerpräsident abschließend.