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Es ist fünf nach zwölf

Auswertung der aktuellen Energiesituation im Südthüringen Handwerk

Die Entwicklung der Energiepreise ist das dominierende Thema des Jahres 2022 für das Südthüringer Handwerk. Insbesondere seit den vergangenen Sommermonaten kam kaum ein Unternehmen mehr um die Auseinandersetzung mit den damit verbundenen Fragen herum. Aus diesem Anlass hat die Handwerkskammer Südthüringen eine Online-Mitgliederbefragung zur aktuellen Energiesituation durchgeführt. Vom 14. September bis zum 5. Oktober 2022 waren Unternehmen aller Handwerke dazu aufgerufen, aus erster Hand über ihre individuelle Lage zu berichten.

Wie die Umfrage unter 467 teilnehmenden Handwerksbetrieben ergab, sehen sich 35 Prozent von ihnen bereits in einer existenzgefährdeten Lage. Bei 365 Unternehmen sind schon Preiserhöhungen durch den Energieversorger angekündigt worden. Bei 29 Betrieben wurde der Vertrag durch den Energieversorger gekündigt. Damit belastet die derzeitige Energiekrise enorm die wirtschaftliche Situation der Südthüringer Handwerksunternehmen. Mehrkosten für Energie, Material und die unterbrochenen Lieferketten belasten die Betriebe zunehmend.



Schwierige Lage

„Damit haben wir eine nicht zu unterschätzende, schwierige Lage im Südthüringer Handwerk", so Mike Kämmer, Vizepräsident der HWK Südthüringen. Besonders betroffen seien die Lebensmittelhandwerke wie Fleischer und Bäcker, aber auch Autolackierereien sowie das metall- und glasverarbeitende Handwerk. Es ist fünf nach zwölf. Wenn die Bundesregierung nicht ganz schnell einen wirksamen Schutzschirm aufspannt, der auch kleine und mittlere Unternehmen schützt, werden viele den Winter nicht überleben. Und das hätte massive Folgen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Südthüringen und im ganzen Land. Denn es sind gerade unsere mittelständischen Handwerksbetriebe, die die Wirtschaft am Laufen halten. Stockt dieser Motor, wird die Konjunktur nicht wieder so schnell anspringen“, so Mike Kämmer.

 Somit könnten noch größere Lücken in der Versorgung, Wartung und Instandhaltung sowie der Produktion entstehen, mahnte die Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Manuela Glühmann. Die Handwerkskammer Südthüringen fordere in diesen schwierigen Zeiten den Bund und das Land auf, das Handwerk in die Förderprogramme einzubeziehen und Sofortmaßnahmen zu ergreifen.



Umsatz sinkt und Kosten steigen

In der Umfrage wurde mehr als deutlich, dass das Markt- und Verbraucherverhalten einen Umsatzrückgang mit sich bringt. 34 Prozent der Handwerksbetriebe zeigten einen Umsatzausfall aufgrund der Kaufzurückhaltung an. Unter gestiegenen Beschaffungskosten leiden bereits 32 Prozent der Befragten. 53 Prozent gaben an, die Kostenumlage trotz eines wesentlichen Auftrags- bzw. Kundenschwund in den nächsten Wochen und Monaten umsetzen zu müssen. Für 34 Prozent ist eine Kostenumlage jedoch nicht oder nur teilweise möglich, was wiederum die Gefahr der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Betriebe ansteigen lässt.

 

Kaum Alternativen

200 der befragten Handwerksbetriebe zeigten an, dass sie die Gasversorgung allein als Heizwärme nutzen. Augenblicklich sehen 303 Unternehmen keine Möglichkeiten der Ersatzversorgung oder der Nutzung anderer Energiequellen für die Erzeugung von Wärme und die Aufrechterhaltung von Prozessen. Damit sieht der überwiegende Teil der teilnehmenden Handwerksunternehmen kaum eine Möglichkeit, andere Energiequellen für sich nutzbar zu machen. Zudem befürchten viele Betriebe eine Verlagerung der Kosten, zum Beispiel steigende Stromkosten für die Nutzung von Wärmepumpen. Auch schätzen fast ein Drittel der Betriebe ein, dass sie dies nur mittel- bis langfristig umsetzen können.

 

Rasche Hilfen

Die Handwerkskammer Südthüringen setzt sich für rasche Hilfen ein. Weiter bietet sie ihren Mitgliedbetrieben eine kostenfreie Beratung in betriebswirtschaftlichen, energetischen, technischen und rechtlichen Themen an. Auf einer  Sonderseite sind zudem alle vorliegenden handwerksrelevanten Informationen laufend aufbereitet und aktualisiert verfügbar. „Wir tun alles, um zu helfen und für das Südthüringer Handwerk zu kämpfen!“, betont Manuela Glühmann.



Die Umfrageergebnisse in der Übersicht