2023_1-2_05 - Gemessen bis es dunkel war
HWK

Gemessen bis es dunkel war

Ein Prüfer aus Südthüringen berichtet von seiner Tätigkeit beim PLW

Metallbauermeister Sebastian Feuerstein führt ein eigenständiges Handwerksunternehmen in seiner Heimatstadt Eisenach. Im Herbst war der 45jährige Familienvater erstmals in Präsenz als Prüfer beim Leistungswettbewerb „Profis leisten was“ (PLW) mit dabei. Wir haben ihn zu seinen Erlebnissen befragt.

Herr Feuerstein, wie lief der Wettbewerb ab?

Der praktische Leistungswettbewerb der Metallbauer fand am 11. November in der Bundesfachschule für Metall in Nordheim statt. 44 Gesellen sind angetreten, etwa Gießer, Schmiede, Konstruktionstechniker und Nutzfahrzeugbauer. Ich habe die Metallbauer Fachrichtung Konstruktionstechnik geprüft.

Wir haben in Prüfergruppen gearbeitet, zwischen zwei und vier Prüfer pro Fachrichtung. Wir hatten gut zu tun. Bis es dunkel war, haben wir geprüft und gemessen, auseinandergebaut und zusammengebaut, Funktionen geprüft, ähnlich wie bei der Gesellenprüfung.

Wie viele Aufgaben waren zu bewältigen?

Es ist im Prinzip immer nur eine Aufgabe, die so ein Zwischending ist zwischen Teil 1 und Teil 2 der Gesellenprüfung: Die Landessieger, die gerade ihre praktische Prüfung bestanden haben, machen nochmal ein praktisches Stück - mit Zeichnung und Arbeitsplan, wie sich das gehört. Dafür haben sie sechs Stunden Zeit. In diesem Fall handelte es sich um einen gefederten Türanschlagpuffer.

Da war meines Erachtens für den Metallbauer eine gute Anforderung dabei. Die Prüfung findet ja von 9 bis 15 Uhr am selben Tag statt und da muss ein Prüfstück gesucht werden, das auch realistisch in diesem Zeitraum zu schaffen ist. Es waren am Ende alle Prüfstücke zusammengebaut, das habe ich in der Gesellenprüfung oftmals nicht.

Sie hatten beim Bewerten dann nur die Werkstücke vor sich?

Richtig, ich bin zu keinem Zeitpunkt dabei, wir bewerten nur das Endprodukt. Das war für mich ein Stück weit neu, weil ich ja zum ersten Mal in Präsenz beim PLW dabei war. Ich habe die Lehrlinge früh bei der Begrüßung und Gruppeneinteilung gesehen und dann nicht mehr. Ich war auch bei der Siegerehrung nicht dabei. Wenn wir die Gesellenprüfungen machen, sehe ich ja die Lehrlinge, sehe was sie tun, beaufsichtige sie selber. In dem Fall habe ich das Prüfstück bewertet ohne zu wissen, wer da vor mir steht. Also richtig schön neutral, das fand ich super.

Was ist für Sie die größte Herausforderung in der Prüfertätigkeit?

Das Ansetzen des Maßes. Wir haben einen Bewertungsbogen, den wir dafür entworfen haben. Dabei ist es wichtig, dass ich alle Teile gleich bewerte. Es geht um Chancengleichheit.

Was bedeutet Ehrenamt für Sie?

Ehrenamt ist für mich eine Herzenssache. Ehrenamt mache ich gerne, weil mir wichtig ist, dass wir eine gute Ausbildung betreiben. Deshalb halte ich mich als ordentliches Mitglied im Berufsbildungsausschuss und in den Ausschüssen auf dem aktuellen Stand und engagiere mich als Prüfer. Dieses Verantwortungsbewusstsein ist mir sehr wichtig.