Besonders gut ist die Geschäfts- und Auftragslage im Bau- und Ausbauhandwerk.
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Besonders gut ist die Geschäfts- und Auftragslage im Bau- und Ausbauhandwerk.

Geschäftsklima wieder freundlicher

Das zeigt die Konjunkturumfrage der HWK Südthüringen für das erste Quartal: Die immensen Preissteigerungen drücken auf die Stimmung. Lesen Sie hier die komplette Auswertung!



„Das Handwerk schöpft wieder neuen Mut und bewertet seine Lage besser als vor einem Jahr“, sagt Manuela Glühmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Südthüringen, zur Auswertung der Konjunkturdaten für das erste Quartal 2022.

Die Handwerksbetriebe in Südthüringen spürten eine verbesserte Stimmung im Vergleich zum Frühjahr 2021. Damals hätten noch Unsicherheiten und Auflagen über den Verlauf der Corona-Pandemie das Bild bestimmt und die Geschäftstätigkeit der Betriebe entsprechend stark behindert.

„Der genaue Blick auf den Zustand des Handwerks ist deshalb enorm wichtig“, so Manuela Glühmann, „weil die Umsetzung wichtiger Zukunftsprojekte, wie beispielsweise der Energiewende und der Fachkräftemangel, von der Leistungsfähigkeit dieses Wirtschaftszweiges abhängen.“

Manuela Glühmann, Hauptgeschäftsführerin der HWK Südthüringen
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Manuela Glühmann, Hauptgeschäftsführerin der HWK Südthüringen

Allgemeine Geschäftslage: Belebung nach Lockerungen

Der Materialmangel durch Lieferengpässe und die immensen Preissteigerungen bremsten im ersten Quartal die Stimmung im Südthüringer Handwerk deutlich aus. Das Geschäftsklima gestaltet sich zwar wieder freundlicher. Doch Besorgnis und Verunsicherung angesichts der Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und der stark gestiegenen Energiepreise beeinträchtigen die Geschäftserwartungen der Handwerksunternehmen. Der Energieverbrauch ist in nahezu allen Handwerksbereichen hoch, ob für warmes Wasser, Backöfen, den Betrieb von Maschinen und Geräten oder Transport und Logistik.

Die Konjunktur in den Südthüringer Handwerksunternehmen ist nach dem Wegfall der Corona-Beschränkungen deutlich zweigeteilt. Betriebe, die im Bau- und Ausbauhandwerk tätig sind, profitierten von einer weiterhin guten Auftragslage. 90 Prozent der befragten Unternehmen der Branche meldeten eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage. Die Nachfrage in den konsumabhängigen Bereichen wie Dienstleistungs-, Kfz- und Nahrungsmittelhandwerken hat sich dagegen nur wenig erholt. Der deutliche Anstieg der Verbraucherpreise in den letzten Wochen beeinflusst das Konsumverhalten der Kunden.



Die Geschäftslage in den Branchen zeigt sich sehr unterschiedlich.
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Die Geschäftslage in den Branchen zeigt sich sehr unterschiedlich.

Insgesamt bewerteten 46 Prozent (Vorjahr 41 Prozent) der Südthüringer Handwerksunternehmen ihre Geschäftslage mit gut, 38 Prozent (Vorjahr 33 Prozent) mit zufriedenstellend.

Wachstumsimpulse sind für die kommenden Monate nicht zu erwarten, da hier die Einschätzungen der Unternehmen sehr differenziert ausfallen. Starke Inflationstendenzen könnten sich in vielen Bereichen negativ auswirken. Nur 17 Prozent der befragten Handwerker erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 63 Prozent rechnen mit gleichbleibender Entwicklung und 20 Prozent befürchten eine Verschlechterung ihrer Situation.

 

Aufträge, Betriebsauslastung, Umsätze

In den ersten drei Monaten des Jahres hat sich die Auftragslage im Südthüringer Handwerk in allen Gewerbegruppen gegenüber den Einschätzungen der beiden letzten Jahre  verbessert. Der Anteil der Betriebe mit gesunkenen Auftragsbeständen ging deutlich zurück. Per Saldo positiv entwickelte sich die Auftragslage dabei in den Bau- und Ausbauunternehmen. In den übrigen Handwerksbereichen wurden jedoch weit weniger hohe Werte erzielt. 19 Prozent der Betriebe (Vorjahr 13 Prozent) meldeten ein Auftragsplus im Vergleich zum vorherigen Quartal,  54 Prozent (Vorjahr 45 Prozent) verzeichneten unveränderte Auftragsbestände und 27 Prozent (Vorjahr 42 Prozent) eine rückläufige Auftragslage.

Dabei beurteilten 71 Prozent der befragten Betriebe ihre  Auftragslage mit normal oder überdurchschnittlich. Im Vorjahr waren es 60 Prozent.

Die verbesserte Auftragslage wirkte sich positiv auf den Auslastungsgrad aus. Knapp jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) verfügte im Berichtszeitraum über größere freie Kapazitäten (Auslastung bis 70 Prozent). Im Vergleichszeitraum 2021 waren dies noch 45 Prozent. In erster Linie Ausbau- und Baubetriebe, aber auch ein Großteil der Zulieferer,  konnten ihre Ressourcen gut ausschöpfen. So erreichten 60 Prozent der Ausbauunternehmen ihre Kapazitätsgrenze oder arbeiteten darüber hinaus. Viele Dienstleistungsbetriebe waren hingegen weiterhin nur unzureichend ausgelastet.

Die Umsatzentwicklung bewegte sich saisontypisch per Saldo im negativen Bereich. Sie lag jedoch über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Zwar lagen die Umsätze in allen Gewerken deutlich über den Vorjahreswerten, allerdings waren diese zu einem großen Teil preisinduziert. Umsatzsteigerungen meldeten 24 Prozent der befragten Handwerker (Vorjahr 12 Prozent). 44 Prozent verzeichneten keine Veränderung (Vorjahr 38 Prozent) und 32 Prozent (Vorjahr 50 Prozent) mussten Umsatzeinbußen hinnehmen.

Nachfrage, Auftragslage und Umsätze werden sich, den Prognosen zufolge, in den kommenden Monaten in allen Handwerksbereichen weitgehend positiv entwickeln. Dieser ausgeprägte Optimismus ist zum Teil auch immer in der Frühjahrsbelebung begründet. Einige Bereiche profitieren von einer Geschäftsbelebung durch die auslaufenden Corona-Maßnahmen. Insgesamt rechnet jeder fünfte Betriebsinhaber mit steigenden Auftragseingängen. 17 Prozent befürchten Auftragsrückgänge. Jeder dritte Betrieb rechnet mit Umsatzsteigerungen, während 19 Prozent Einbußen befürchten.

Die Preisentwicklung der letzten fünf Jahre.
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Die Preisentwicklung der letzten fünf Jahre.



Preise-Kostenexplosion bremst

Nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik lag die Inflationsrate in Thüringen im März bei acht Prozent. Preisanstiege für Energieprodukte lagen bei 43,5 Prozent. Der aktuelle Anstieg und die weitere Entwicklung der Einkaufspreise sind eine Herausforderung für alle Handwerksbereiche. 95 Prozent der Befragten meldeten daher auch gestiegene Einkaufspreise. Im ersten Quartal konnten 68 Prozent der Handwerker zumindest einen Teil der gestiegenen Kosten auf die Preise für ihre Produkte und Leistungen umlegen. 29 Prozent haben ihre Verkaufspreise nicht verändert. Auch im kommenden Quartal wird der Preisdruck nicht nachlassen. 75 Prozent der Handwerksunternehmen werden ihre Verkaufspreise nach oben anpassen.

 

Investitionsbereitschaft verhalten

Die durchschnittlichen Investitionen der Handwerksbetreibe im Kammerbezirk Südthüringen bewegen sich weiterhin auf niedrigem Niveau und sind im Vergleich zum Vorjahresquartal noch weiter zurückgegangen. Ursache dürfte auch hierfür die Unsicherheit in Bezug auf künftige Geschäftsbedingungen, die Verteuerung der Energiepreise und Lieferengpässe sein. Insgesamt haben nur acht Prozent der Handwerksbetriebe ihre Investitionen im Vergleich zum Vorquartal ausgeweitet. 39 Prozent haben weniger investiert.

 

Beschäftigte: Fachkräfte gesucht

Zu Jahresbeginn sind die Beschäftigtenzahlen im Südthüringer Handwerk leicht zurückgegangen. Sechs Prozent der befragten Inhaber konnten das Personal aufstocken. Bei 14 Prozent ging die Beschäftigtenzahl zurück.

Den größten Personalrückgang verzeichnete saisonbedingt mit 21 Prozent das Bauhandwerk. In den Nahrungsmittelhandwerken und im Dienstleistungsbereich sind die Mitarbeiterzahlen gesunken. Die meisten Betriebe (91 Prozent) hoffen, in den kommenden Monaten ihren Mitarbeiterstamm halten oder neue Mitarbeiter einstellen zu können. So wird die Beschäftigtenzahl trotz saisonaler Schwankungen insgesamt konstant bleiben.



Fazit

Als Hemmnisse für ein prosperierendes Südthüringer Handwerk nannte Hauptgeschäftsführerin Manuela Glühmann den Fachkräftemangel sowie die inflationsbedingten Kostensteigerungen. Die Teuerungen machten sich vor allem beim Material, den Kraftstoffen und der Energie bemerkbar. Nur zum Teil konnten die Betriebe diese Mehrkosten ausgleichen. Vor diesem Hintergrund droht in den kommenden Monaten erneut Ungemach für die finanzielle Stabilität, sollte sich der Kostenanstieg weiter verstärken. Der Fachkräfte- und Personalmangel wird verschärft durch den demografischen Wandel. Das Handwerk hat weiterhin Nachwuchssorgen. „Damit dürfte der Wirtschaftsaufschwung im Südthüringer Handwerk im laufenden Jahr eher spärlich ausfallen“, so Glühmann abschließend.