2021 - 23 - 01 - In Zeiten steigender Energiepreise - Bild 2 klein
HWK

In Zeiten steigender Energiepreise

Die Berater der HWK Südthüringen - wie Michael Bickel und Martin Hiepe - stehen den Mitgliedsunternehmen hilfreich zur Seite. Hier finden Sie erste Maßnahmen und die Forderungen, die das Handwerk an die Politik stellt.

Täglich erreichen die Handwerkskammer Südthüringen Meldungen der Mitgliedsbetriebe, welche nach Auslauf der aktuellen Vertrags- und Preisbindung vom Energieversorger neue Preisangebote zum 2 bis 2,5-fachen Arbeitspreis pro MWh bei Strom und Gas vorgelegt bekommen. Andere berichten von Einstellungen der Lieferung durch den aktuellen Lieferanten wegen Insolvenz, insbesondere, wenn dieser wegen nur kurzer Vertragsbindung nicht langfristig einkaufen konnte und nun wirtschaftlich überfordert ist. Anschließend ist kaum ein Lieferant zu finden, welcher Neukunden zu günstigeren Konditionen aufnimmt, wie dem Grundversorgungstarif des Regionalversorgers.



Woran liegt das?

Die Gründe sind vielschichtig, liegen im weltweiten Konjunkturanzug, dem Drang aller Volkswirtschaften, aus Kohle und Erdölverbrennung auszusteigen, dafür eher auf Erdgas und Strom zu setzen, aber auch in den natürlichen Risiken, wenn Roh- und Brennstoffe an Märkten eingekauft werden müssen, welche stärker von Spekulationen und Ertragserwartungen geprägt sind, als von Angebot und Nachfrage.

Welche Forderungen stellt das Handwerk daher an die Politik?

1. Das bisherige massive Überwälzen energiewendebedingter Kosten auf die Stromrechnungen insbesondere des Mittelstands und der Privathaushalte muss gestoppt werden.

2. Der Energiemarkt sowie Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien müssen  mittelstandsgerecht umgebaut werden, insbesondere im Hinblick auf eine faire Lastenverteilung, Kalkulierbarkeit sowie Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen.

3. Eigene Investitionen in Eigenstromversorgung über PV oder BHKW müssen auch eigenen Nutzen zulassen und nicht durch Versorger oder das Finanzamt abgeschöpft werden.

4. Die Erhöhung der Energieeffizienz ist und bleibt der beste Schutz vor Kostenrisiken und leistet einen hohen Beitrag zum Klimaschutz.

5. Förderinstrumente müssen gestrafft und vereinfacht werden.

6. Handwerker müssen ihre Kompetenzen einbringen dürfen. Dies betrifft z.B. die Installationstätigkeiten bzw. Anlageneingriffe der Industrie direkt in Kundenanlagen. Hier wird das Handwerk durch meist angelernte Kräfte unterwandert.

7. Handwerk hat als Dienstleister der Energiewende und Fachpartner der produzierenden sowie kommunalen Bereiche eine Schlüsselfunktion bei Energie- und Mobilitätsanwendern inne, kennt Kunden, Prozesse und Anlagen. Ohne Beteiligung des Handwerks werden ehrgeizige Klimaschutzziele nicht erreicht. Es bedarf der Umsetzer und Akteure vor Ort.



Wie kontrolliere ich meinen Energieverbrauch im Handwerksbetrieb?

Zentrales Werkzeug ist das betriebliche „Energiebuch“. Diese hilft Inhabern, Geschäftsführern und Energiebeauftragten, alle Energieverbrauchsdaten systematisch zu erfassen und auszuwerten. Mit minimalem Arbeitsaufwand erhält man einen guten Überblick über alle relevanten Betriebs- und Energiedaten. Von der Erfassung der Energiekosten über die Betrachtung von Maschinen und dem Fuhrpark bis hin zur Auswertung der CO2-Emissionen können verschiedene Aspekte in die Dokumentation einfließen. Nur, wer seinen Energieeinsatz kennt und weiß, wo wieviel davon verbraucht wird, kann Schwachstellen erkennen und Einsparpotentiale ableiten.



Wie lässt sich konkret Heizenergie einsparen?

1. Der Grundsatz der bedarfsgerechten Beheizung birgt das höchste Sparpotential.

2. Hohe Sparpotentiale bringt die Wärmeverteilung. Effizienzpumpen für Heizkreise sind heute Standard und bei Umrüstung selbst noch funktionierender alter Pumpen meist nach rund drei Jahren amortisiert.

3. Viel zu häufig gerät der Heizkörper immer noch aus dem Blickfeld. Er ist bei einer ungedämmten Außenwand auch nicht hinterdämmt.

4. Noch nicht überall sind Verteilleitungen und Armaturen in unbeheizten Keller- oder Nebenräumen isoliert. Diese Dämmungen sollten alle drei Jahre geprüft und ggf. repariert werden.

5. Der Wärmeerzeuger wird dann ersetzt, wenn er versagt oder einer gesetzlichen Austauschpflicht nach Immissionsschutzrecht oder Effizienzrecht (GEG) unterliegt. Jedoch ist stets eine Systemerneuerung auch bei Gaskesseln zu empfehlen, wenn diese noch nicht im Brennwert-Betrieb arbeiten.

6. Umzubauen ist in jedem Fall das Abgassystem. Dieses wird zum Luft-Abgas-System (LAS) erweitert, welches die Verbrennungsluft über das Abgasrohr anzieht und dabei durch die Restwärme des Rauchgases vorwärmt.

7. Beim Lüften muss man empfehlen, auf dauernde Fensterkipplüftung zu verzichten. Dies ist die wirkungsärmste und teuerste Lüftungslösung. Stoßlüften via Querlüften mehrmals täglich ist wirkungsvoller und sparsamer, da Bauteile nicht auskühlen.



Wie lässt sich Strom sparen?

1. Hohe Stromlasten kann man heute einfach durch SmartHome-Relais oder Stromzangen-Messgeräte im Betrieb identifizieren und den Lastzeiten gut zuordnen (Monitoring). Ersetzen Sie alte, stromfressende Geräte, wenn es Alternativen mit wesentlich geringeren Verbrauchswerten verfügbar sind.

2. Beleuchtungsanlagen sollten zeitgemäß auf LED-Licht umgestaltet werden, wenn noch alte Leuchten mit Leuchtstofflampen T12 oder T8 verbaut sind und keine elektronischen Vorschaltgeräte (EVGs) zum Einsatz kommen.

3. Effizienz beim Licht bringen auch Zeit- bzw. Bedarfssteuerungen insbesondere auf Fluren, Treppenhäusern, Sanitärräumen etc.

4. Hohes Potential bieten auch die eigenen Mitarbeiter, wenn diese zum Stromsparen motiviert werden können, in Pausen Maschine oder Licht auszuschalten.



Wer berät zu diesen und weiteren Maßnahmen?

Die Mitarbeiter der Technischen Betriebsberatung stehen zu diesem Themen für eine Beratung zur Verfügung. Diese geben Orientierung in Energiefragen. Zu Fragen der Energie- oder Stromsteuerrückvergütung sprechen Sie mit ihrem Steuerberater, für Fragen der Maßnahmenfinanzierung stehen die betriebswirtschaftlichen Berater der Handwerkskammer bereit.

Michael Bickel

Beauftragter für Innovation und Technologie (BIT)

Kloster 1
98530 Rohr

Martin Hiepe

Technologie-Transfer-Berater

Kloster 1
98530 Rohr