Die sechs Mitglieder des Meisterprüfungsausschusses im Land- und Baumaschinenmechanikerhandwerk der HWK Südthüringen.
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Die sechs Mitglieder des Meisterprüfungsausschusses im Land- und Baumaschinenmechanikerhandwerk der HWK Südthüringen.

LaMa-Prüfung im BTZ Rohr-Kloster

Neun angehende Land- und Baumaschinenmechanikermeister haben bei ihrer Prüfung Meisterstücke von großem Nutzen vorgestellt. Der nächste Kurs startet im September.

Neun Meisterschüler im Land- und Baumaschinenmechanikerhandwerk, fünf aus Thüringen, drei aus Bayern und einer aus Mecklenburg Vorpommern, haben Mitte April auf dem Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster vor dem Südthüringer Meisterprüfungsausschuss erfolgreich ihre Meisterprüfung Teil I (praktischer Teil) abgelegt.

Unter ihnen Florian Schneider aus Metzels. Der 29-jährige Landmaschinemechaniker ist in der Raiffeisen Technik GmbH Untermaßfeld beschäftigt. Dieses Unternehmen unterstützt die Ausbildung in der Land- und Baumaschinenmechanik der HWK Südthüringen sehr und hat schon mehrfach große Maschinen für die Ausbildung zur Verfügung gestellt. Florian Schneider hatte sich wie die anderen acht Prüfungsteilnehmer über einen Zeitraum von neun Monaten im Blockunterricht in den Teilen I und II des Meisterkurses, Fachpraxis und Fachtheorie, auf seine Meisterprüfung vorbereitet.



Kursinhalte

Unterweisungen in die Maschinentechnik, Bremstechnik und Klimatechnik gehören ebenso zum vermittelten Lehrstoff wie Kenntnisse von Getriebe, Hydraulik oder Steuerung, um künftig Maschinen instand zu halten oder instand zu setzen. Außerdem werden die Meisterschüler in Teil II mit der Auftragsabwicklung vertraut gemacht und erhalten erste Einblicke in die Betriebsführung, welche in Teil III ausführlich behandelt wird. Den Höhepunkt der Meisterprüfung bildet – neben dem schriftlich/theoretischen Teil – die Anfertigung und Präsentation des Meisterstücks. Dieses wird nach Vorgaben des Meisterprüfungsausschusses in völliger Eigenregie vor Ort in den Unternehmen angefertigt, in denen die Meisterschüler beschäftigt sind. Die sogenannten Schaumeister beraten ihre Schützlinge bei der Ideenfindung und der Anfertigung ihres Meisterstücks. Die großen Schaustücke der „LaMa‘s“, so die übliche Abkürzung für die Land- und Baumaschinenmechaniker, sind allerdings nichts für die Vitrine, sondern etwa für den praktischen Einsatz an Schleppern bzw. Traktoren vorgesehen.



Beispiel Bündelschneider

Zurück in den April 2021. Florian Schneiders Meisterstück ist ein Bündelschneider. Damit kann Brennholz schnell und effektiv auf Ofenlänge gebracht werden. Die mit einer Schubmechanik, einer Kettensäge und einer Aufnahme für Brennholzbündel ausgerüstete Vorrichtung wird an ein Trägerfahrzeug mit entsprechender Aufnahme, beispielsweise einen Schlepper, montiert. Die Einstellung der Scheitlänge erfolgt durch eine hydraulisch angetriebene Schubwand, das Abtrennen der Holzscheite mittels eines ebenfalls hydraulisch absenkbaren Kettensägeschwerts. Hintergrund des Bedarfs an einer solchen Vorrichtung sei, wie Florian Schneider vor dem Prüfungsausschuss erläuterte, die Tatsache, dass im ländlichen Raum Brennholz oft nur von einem Raummeter Volumen und einem Meter Scheitlänge angeboten werde. Die Scheite auf Ofenlänge zu bringen, erfordere einen erheblichen Zeitaufwand, insbesondere wenn höherer Brennstoffbedarf besteht.

Florian Schneiders Bündelschneider bestand den Praxistest auf Anhieb und ist nun im Einsatz. Neben der Präsentation des Meisterstücks hatten die neun Prüflinge auch Aufgaben aus verschiedenen handlungsorientierten Situationen zu bewältigen. Diese seien dem Alltag eines Land- und Baumaschinenmechanikers nachempfunden worden, betonte Gregor Weidner, eines von sechs Mitgliedern des Meisterprüfungsausschusses.

Die Mitglieder des Prüfungsausschusses Gregor Weidner, Sebastian Eckardt und Torsten Juch (v. re.) nehmen den Bündelschneider für Holzscheite, das Meisterstück von Florian Schneider (2. v. li.), genau unter die Lupe.
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Die Mitglieder des Prüfungsausschusses Gregor Weidner, Sebastian Eckardt und Torsten Juch (v. re.) nehmen den Bündelschneider für Holzscheite, das Meisterstück von Florian Schneider (2. v. li.), genau unter die Lupe.



Hintergrund

Für die Feldbearbeitung, bei der Ernte und der Umweltpflege kommen in der Landwirtschaft vielgestaltige Maschinen zum Einsatz, ausgestattet mit modernster Hydraulik, Pneumatik und Elektronik. Versagt die Technik einmal ihren Dienst, kann oft nur ein versierter Landmaschinentechniker helfen. Um diese Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen instand zu setzen und warten zu können, sind ein umfangreiches und breit gefächertes fachliches Wissen, eine praktische Veranlagung und häufig auch Muskelkraft vonnöten.

Die Handwerkskammer Südthüringen ist aktuell eine von wenigen Handwerkskammern im Bundesgebiet, die im Rahmen der Meisterqualifikation im Land- und Baumaschinenmechanikerhandwerk ein selbstgefertigtes Meisterstück einfordern. Das Meisterstück hat am Ende einer Meisterausbildung in jedem Handwerksberuf für den Absolventen eine besondere Bedeutung. Es stellt ein bleibendes und nachhaltiges Stück Tradition und den Höhepunkt der Meisterausbildung dar.



Nächster Meisterkurs

Der nächste Meisterkurs in der HWK Südthüringen im Land- und Baumaschinenmechanikerhandwerk ist bereits in Vorbereitung. Er beginnt als Blockunterricht am 6. September  auf dem Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster und endet am 24. März 2022. Er umfasst die Teile I und II. Zu einer Meisterausbildung gehören vier Prüfungsteile, die jeder Meisterschüler im Baukastensystem absolvieren kann:

  • Teile I und II (Fachpraxis - und Fachtheorie)
  • Teil III (Geprüfte/r Fachfrau/ -mann für kaufmännische Betriebsführung HwO)
  • Teil IV (Ausbildereignung)

Roberto Schmidt

Fachbereichsleiter Agrotechnik / Dozent

Kloster 1
98530 Rohr