2021 - 05 - 07 - Lernen unter Pandemiebedingungen
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Lernen unter Pandemiebedingungen

Wenn die Berufsschulen Lernformate anbieten, die auch ohne Anwesenheit in der Schule möglich sind, muss das Unternehmen dem Auszubildenden die Zeit einräumen, sich mit Hilfe dieser Formate besagte Lerninhalte anzueignen.

Aufgrund der deutschlandweiten Einschränkungen bleiben die staatlichen Berufsschulen zurzeit geschlossen. Es findet überwiegend häusliches Lernen statt. Eingeschränkter Präsenzunterricht für Abgängerklassen sowie für unaufschiebbare Leistungsnachweise in den weiteren Abschlussklassen ist die Ausnahme. Für viele Ausbildungsunternehmen stellt sich folgende Frage:



Muss das Ausbildungsunternehmen den Auszubildenden Zeit für den Lernstoff von der Berufsschule einräumen, wenn der Unterricht Corona-bedingt ausfällt?


Ja. Wenn die Berufsschulen Lernformate anbieten, die auch ohne Anwesenheit in der Schule möglich sind, muss das Unternehmen dem Auszubildenden die Zeit einräumen, sich mit Hilfe dieser Formate besagte Lerninhalte anzueignen. Der zeitliche Umfang hierfür ist so zu bemessen, dass er dem Freistellungszeitraum für die Teilnahme am Berufsschulunterricht nach § 15 Absatz 1 Nr. 1 Berufsbildungsgesetz (BBiG) entspricht. Der konkrete Umfang der Freistellung für das „Lernen zuhause“ kann bei Bedarf zwischen den dualen Partnern in vertrauensvoller Abstimmung festgelegt werden.

Der Begriff „Lernen zuhause“ ist in diesem Zusammenhang nicht nur auf das häusliche Umfeld beschränkt und kann daher auch ziel- und handlungsorientiert im Ausbildungsunternehmen erfolgen. Das gemeinsame Ziel der dualen Partner, Ausbildungsunternehmen und Berufsschule, ist die erfolgreiche berufliche Qualifizierung der Auszubildenden. Wenn als Vermittlungsort das Ausbildungsunternehmen gewählt wird, muss das Unternehmen sicherstellen, dass die Räumlichkeiten und die notwendige technische Ausrüstung vorhanden sind.

Die erforderlichen Arbeitsmittel muss der Ausbildende dem Auszubildenden kostenlos zur Verfügung stellen (§ 14 Absatz 1 Nr.3 BBiG). Er darf nicht verlangen, dass der Auszubildende z. B. sein privates Notebook hierfür zur Verfügung stellt. Denkbar ist aber, dass Auszubildende ihre privaten Geräte freiwillig einsetzen und das Unternehmen die anfallenden Nutzungskosten übernimmt. Der Wechsel der Anwesenheit im Ausbildungsunternehmen und mobiles „Lernen zuhause“ (sogenannte hybride Arbeitsformen) hat sich im Praxisalltag bewährt. Das Homeschooling ist entsprechend im Ausbildungsnachweis festzuhalten bzw. zu dokumentieren.



Praxistipp


Wenn Auszubildende normalerweise zwischen 10 und 12 Unterrichtseinheiten in der Schule sind, sollten Unternehmen die Auszubildenden mindestens an einem Tag ganz für die Fachtheorie, also zum Lernen, freistellen oder aber an zwei halben Tagen.

Axel Gork

Ausbildungsberater / Rechtspfleger

Rosa-Luxemburg-Straße 7-9
98527 Suhl