EFRA_Backround

Studie zur Durchführung eines Demonstrationsvorhaben

Umsetzungszeitraum: bis 31.10.2020





Projektvorhaben/Rahmen der Studie

Ziel der Dienstleistung ist es, im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ein umfassendes Konzept zur zukünftigen energetischen Versorgung des Bildungscampus BTZ Rohr der HWK Südthüringen in Rohr-Kloster zu erstellen. Um einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, muss der Anteil erneuerbarer Energien sowohl bei der Wärme- und Kälteversorgung als auch der Stromversorgung der Gebäude innerhalb der Liegenschaft erhöht werden. Dabei ist der aktuelle sowie der zukünftige Gesamtbedarf für die einzelnen Medien zu ermitteln. Anschließend ist zu prüfen, mit welchen innovativen Techniken (u.a. hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, Speicherlösungen, Wasserstoff-Technologien, Power-To-X, EE-Anlagen u.a.) diese Zielstellung erreicht werden kann und welche Kosten sich mit den verschiedenen Optionen der energetischen Modernisierung verbinden. Eine generelle Reduzierung des Bruttoenergieverbrauchs muss dabei ebenso beachtet werden.

Auf der Ebene des gesamten Gebäudebestands werden verschiedene Zielbilder entwickelt und diskutiert. Die wichtigste Herausforderung des Bildungscampus BTZ Rohr (BTZ) – die Optimierung der derzeitigen energetischen Versorgung der Liegenschaft unter der Prämisse zukünftiger Nutzungsänderungen – soll im Rahmen einer technologieoffenen Untersuchung auf den Weg gebracht werden. Dabei sollen verschiedene Varianten mit Kombinationen unterschiedlicher neuer Technologien gegenübergestellt und bewertet werden. Wichtig ist es, die Auswirkungen des Klimawandels und mögliche Anpassungsmaßnahmen (u.a. Gebäudekühlung) in die Überlegungen einzubeziehen. Im Ergebnis soll sowohl Klimaschutz- als auch Klimaanpassung in einem zukunftsweisenden Energienutzungskonzept analysiert werden.

Schwerpunkt der Studie wird es sein, Anlagen, Verfahren bzw. Verfahrenskombinationen zu eruieren, die einerseits den besonderen Ansprüchen des BTZ genügen, andererseits einen Demonstrationscharakter (nachhaltige Quartiersentwicklung) und damit einen Multiplikatoreffekt aufweisen. An letzteren hat das BTZ ein besonderes Interesse, da innovative und zukunftsweisende Verfahren und Anlagen auch einen wertvollen Beitrag im Rahmen des Bildungsauftrages der Handwerkskammer Südthüringen darstellen.



Projektvorhaben/konkrete Untersuchungen

Im Rahmen der Studie sollen zunächst bestehende Daten zu dem Quartier sowie bereits vorliegende und nutzbare Auswertungen, Messergebnisse, aber auch Schwachstellen der aktuellen Situation etc. zusammengestellt werden. Fehlende Daten werden so ergänzt, dass sich ein deutliches Bild der derzeitigen energetischen Ist-Situation ergibt. Parallel erfolgt auf Basis eines zu erstellenden Messkonzeptes die messtechnische Erfassung verbrauchs- und prozessspezifischer Daten mit dem Ziel, detaillierte Informationen zu Energie- und Wärmeverbräuchen in den einzelnen Gebäuden und Anlagen der Liegenschaft aufzunehmen, auszuwerten und damit eine verlässliche Grundlage für die Studie zu erhalten. Zur weiteren Bearbeitung soll eine Projektgruppe aus unterschiedlichen Experten (u.a. zur Beurteilung des energierechtlichen Rahmens sowie zu speziellen technologischen Fragestellungen / Sektorkopplung) zusammengestellt werden. Hiermit wir sichergestellt, dass für alle abzudeckenden Bereiche die bestmögliche Kompetenz gebunden, ein Austausch in der Zusammenarbeit innerhalb der Projektgruppe zielführend möglich ist und sinnvolle und innovative Maßnahmen erarbeitet werden können. In einem zweiten Schritt sind die Ansprüche an die derzeitige und zukünftige Nutzung der Gebäude innerhalb der Liegenschaft darzustellen.

Für die einzelnen bestehenden Anlagen sollen innovative Alternativen, Verfahren und Verfahrenskombinationen dargestellt und eine bedarfsgerechte Auslegung des Systems im BTZ erarbeitet werden. Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu den einzeln vorgestellten Anlagen und Prozessen stützen die Aussagen.  Darüber hinaus sollen auch Hemmnisse und Lösungswege aufgezeigt werden, die dem Umstieg auf eine CO2-neutrale Versorgung im Wege stehen.  Als ein weiterer Punkt in Vorausschau auf die Umsetzung der optimalen Variante(n) erfolgt parallel eine förderrechtliche Betrachtung, d.h., die Beantwortung der Frage, welche Investitionsmaßnahmen wie gefördert werden können. Eine weitere Zielstellung - die Einbindung von regionalen Handwerksunternehmen schon in der Planung und Umsetzung der Maßnahmen - erhöht die regionale Akzeptanz und birgt gleichzeitig weiteres Potenzial für die angestrebte weitere Umsetzung der innovativen Maßnahmen in anderen Unternehmen und Organisationen in der Region.

Im Endergebnis wird ein Energieerzeugungskonzept mit innovativen Verfahrenskombinationen beschrieben, welches die Ansprüche auf Innovationsgehalt, Umsetzbarkeit und Finanzierbarkeit erfüllt und eine nutzbare Grundlage für die zukünftige energetische Versorgung des BTZ darstellt. Dabei sollen auch Hinweise, Erfahrungswerte und Wünsche des BTZ aufgenommen und in der Machbarkeitsstudie integriert werden. Die Ergebnisse der Studie sollen als Best-Practice-Beispiele und Multiplikator für weitere Projekte dienen.



Weiterführende Effekte

Die Handwerkskammer Südthüringen strebt an, die im Thüringer Klimagesetz gesteckten Ziele noch zu übertreffen und bis 2030 den C02-Ausstoß um bis zu 70 % im Vergleich zu 1990 zu senken. 2030 soll, und somit 10 Jahre früher als im ThürKlimaG verankert, bilanziell der gesamte Energiebedarf durch einen Mix aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.

Somit ist Ziel, bis zum Jahr 2030 eine CO2-neutrale Versorgung der Gebäude innerhalb des Quartiers des BTZ zu gewährleisten. Das BTZ soll hinsichtlich der Prämissen Energieeinsparung und Energieeffizienz unter Berücksichtigung von innovativen Energieerzeugungskonzepten durch Nutzung erneuerbarer Energien, unter Einbeziehung individueller Speicherlösungen sowie unter Hinzuziehung innovativer Technologien zur Reduzierung der CO2-Emissionen (Dekarbonisierung) zukunftsfähig gemacht werden. Ziel ist es, mit einer umfassenden und nachhaltigen Optimierung der Energieversorgung und zukunftsweisenden Effizienz-Investitionen einerseits Vorbild für die Mitgliedsunternehmen zu sein und andererseits durch eine verantwortungsvolle Betriebsführung den dauerhaften Betrieb des BTZ langfristig zu sichern.

Im Hinblick auf die Erreichung der Thüringer Klimaziele soll das BTZ ein Vorreiter und Vorzeigeobjekt für das Land Thüringen werden und die gesetzten Ziele zuverlässig und nachhaltig bis zum Jahr 2030 erreichen. Entscheidend wird dabei sein, proaktiv, durch die oben genannten möglichen Technologien, die durch fossile Energieträger noch entstehenden Treibhausgase zu substituieren. Dies kann u.a. auch bzw. in Kombination durch die Nutzung von Solar- und Geothermie und somit durch eine dezentrale Wärmeversorgung des Quartiers geschehen. In diesem Zusammenhang ist auch zu prüfen, ob die der Handwerkskammer gehörende Waldfläche für eine sinnvolle energetische Nutzung, z.B. durch Substitution konventioneller Energien, geeignet ist.

Das BTZ ist darüber hinaus eine ideale Plattform zur Demonstration einer innovativen Energieversorgung und Energieeffizienz. Zusammen mit der geplanten Umsetzung durch regional ansässige Handwerksunternehmen ist der Demonstrationscharakter in jedem Fall gegeben. Der Innovationsgehalt der Maßnahmen kann intensiv genutzt und im Rahmen stattfindender Schulungen, Veranstaltungen etc. weitergegeben werden.




Weiterentwicklung digitaler Anwendungskompetenz durch den Transfer nutzerorientierter Technologiekonzepte (WATT)

Laufzeit des Projektes: 01.04.2020 – 30.09.2021



Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt rasant: In der Wirtschaft 4.0 werden Prozesse effizienter und es entstehen neue Geschäftsmodelle. Produktion, Wartung und Vertrieb verschmelzen mit der Informationstechnik. Künstliche Intelligenz ermöglicht sich selbst steuernde Fertigungsanlagen, in denen Maschinen und Roboter autonom lernen und miteinander oder mit Menschen interagieren. Das Smart Home verändert die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ebenso wie das Bauhandwerk. Ob Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft, Dienstleistung oder die Pflege – dieser Wandel hat Auswirkungen auf alle Branchen und Wirtschaftsbereiche.

 

Aus den Erfahrungen des Projektes Digitalcoach erkennen wir, dass es oft an Akzeptanz, Verständnis und Struktur im Rahmen der Aufbauorganisation des Unternehmens fehlt. Vielfach erkennt man im operativen Prozess nicht die bereits implementierten digitalisierten Prozesse, sowie die schon längst in Anwendung und mit erheblichen Potentialen versehenen technischen Mittel, wie Smartphones, Tablets, Produktionsplanungssoftware, Onlinebestellprozesse und Ähnlichem. Es ist vor allem das intrinsische Bild, welches in den Unternehmen bewegt und verändert werden muss.

 

Eine weitere und wohl auch die elementarste Erfahrung aus dem Projekt Digitalcoach ist die Fehleinschätzung bei der Ressource „Mitarbeiter“. Viele Unternehmen erkennen, soweit vorhanden, den Mitarbeiter nicht als Wissensträger im Bereich digitalisierter Anwendungen und Prozesse. Stellenweise fehlen solche Mitarbeiter maßgebend in den Handwerksunternehmen. So ist die sich schon jetzt abzeichnende logische Konsequenz die zukünftigen heranwachsenden Mitarbeiter, die Auszubildenden sowie Fachkräfte der Handwerksunternehmen, verstärkt in den Fokus zu nehmen. Dabei stellt sich die herausfordernde Aufgabe, den direkten Zugang zu diesen Zielgruppen zu bekommen und dabei zunächst niederschwellig die Ansprache auf ein hohes Zielgruppenpotential zu projizieren.

 

Weitere Erfahrungswerte aus Beratungen sowie dem Projekt Digitalcoach sind, dass bisher gewählte Zugänge durch allgemeine Informationsveranstaltungen, Publikationen etc. nicht die gewünschten Akzeptanzerfolge in den Unternehmen verzeichnen und sich auch auf Grund der hohen Angebotsvielfalt, Verunsicherung in den Unternehmen erkennbar sind. Gerade eine Erstansprache mit „traditionellen“ und somit bewährten Instrumenten des Wissenstransfers schafft nach unseren Erfahrungen und Erkenntnissen der letzten Monate eine stabile Basis und dient zum Thema Digitalisierung als wesentlicher „Türöffner“. Dabei geht es nicht darum, Lehr- und Lernkonzepte im Gesamten zu entwickeln, sondern Grundmodelle zur Ansprache in bestehende Beratungs- und Bildungssegmente zu implementieren, um darauf aufbauend die weiteren Transferprozesse Branchenspezifisch in den Unternehmen zu bedienen und aufzubauen. Durch dieses Erleben der digitalen Technologien schaffen wir Sensibilisierungs- und Kommunikationswege, die das Verständnis und die Akzeptanz der Nutzung im Unternehmensalltag fördern. Die Transfer- und Implementierungsprozesse der digitalisierten Welt auf Basis von Grundverständnis und vor allem von bereits geschaffenen Vertrauensebenen können durch das neutrale, geschützte und angeleitete Erleben und An-wenden durch das Konzept des Livinglap vollzogen werden.

 

Die Handwerkskammer Südthüringen wird in der Folge methodisch auf Basisinformationen und Transfermöglichkeiten zur Nutzung von digitalen Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten in der Praxis sowie den Strukturen der Beratung und der Aus- und Weiterbildung setzen. Geschaffen werden soll damit eine methodisch-didaktische Zielgruppenansprache zum Zweck eines Technologie- und Verständnistransfers im „Vertrauensraum“ Beratung und Bildung, um darauf aufbauend den weiterführenden Transfer in die Unternehmen zu gewährleisten und vor allem in größeren Potentialen zu erreichen – insofern stellen die Beratungs- und Bildungsteilnehmer die Transferpartner (Multiplikatoren) zu den Unternehmen dar. Kurz gesagt, die Mitarbeiter werden zu Wissens- und Informationsquellen für das Unternehmen.

 

Vor allem die Auszubildenden sind in der Lage digitale Technologien, insbesondere Steuerungs-, Automatisierungs- und Kommunikationstechnologien ungezwungen und frei zu bedienen und zu nutzen und werden so zu Digitalisierungsmultiplikatoren in ihren Unternehmen.

 

Bevor die Handwerkskammer Südthüringen mit dem Bildungscampus Rohr Kloster ihrer Rolle als innovativer Dienstleister für den Einsatz und Anwendung von digitalen Technologien gerecht werden kann, muss sie die dazu notwendigen Umstrukturierungen zunächst selbst in ihrem Bildungszentrum analysieren und zielgerecht umsetzen um so die Technologien für den Unternehmenseinsatz erlebbar und nachvollziehbar zu machen.

 

Es werden aufbauend auf die Bedarfsdefinitionen der Unternehmen aus den Vorgängerprojekt sowie zahlreichen Beratungserfahrungen heraus in einem wesentlichen Schritt die not-wendigen technischen und organisatorischen Strukturen für den Basistransfer geschaffen und in einem zweiten Schritt die entsprechenden Instrumente der Beratungsgrundlagen aber vor allem der bereits bestehenden Kurssegmente durch den definierten Methodenansatz ergänzt. Somit werden neue Perspektiven der Erstansprache im Rahmen bestehender Instrumente eröffnet. Dabei geht es nicht um die Entwicklung von Bildungsprodukten, sondern um die Technologiekonzeption und die Methodik der Projizierung von Wissens- und Transferkompetenz zum Thema Digitalisierung in bewährten Formaten und den dann dadurch entstehenden weiterführenden Transferprozess in die Unternehmen.



Das Projekt wird gefördert durch:

EFRE Europäische Union


Alexander Ladwig

Geschäftsführer Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster und Gewerbeförderung

Kloster 1
98530 Rohr