Verleihung MuT-Preis (treff)
Handwerkskammer Südthüringen

Vom Mut, den Umweg zum Erfolg zu gehen

Treffpunkt Südthüringer Handwerk mit Mut-Preisverleihung im BTZ Rohr-Kloster

Drei glückliche Gewinner, eine Olympiasiegerin, die zeigt, dass Erfolg nur im Team möglich ist, und ein Minister, der kurze Wege zu Schulen verspricht. Das war die MuT-Preisverleihung. Am Ende strahlen die drei Gewinner um die Wette.

Die Gewinner des diesjährigen MuT-Preises, dem Südthüringer Mittelstandspreis. Immer wieder recken Mario Winkler und Katrin Rose, Marketing-Vorstand und Personalreferentin der BN Automation AG aus Ilmenau, ihre Trophäe und die Urkunde in die Höhe. Schließlich war ihr Unternehmen gerade zum Unternehmen des Jahres 2019 gekürt worden. „Fantastisch“, sagt Winkler. Noch fantastischer, weil das Unternehmen sich zunächst gar nicht um die Auszeichnung beworben hatte, die diese Zeitung und die beiden Südthüringer Wirtschaftskammern am Montagabend bereits zum 15. Mal verliehen haben. Das Goethe-Gymnasium in Ilmenau hatte die BN Automation AG vorgeschlagen. Seit mehr als zehn Jahren sind Unternehmen und Schule Kooperationspartner, und so war es für Winkler und Rose selbstverständlich, dass sie Schulleiter Volker Rusch mit auf die Bühne holten. Irgendwie ist das ja auch sein Preis. Und irgendwie ist die Kooperation ein Baustein des Erfolgs des Unternehmens des Jahres, das seit 1990 nicht nur kontinuierlich gewachsen ist, sondern schon ungewöhnliche Wege in der Fachkräfte-Gewinnung einschlug, als andere das Thema Fachkräftemangel noch nicht wahrhaben wollten. Wolfhard und Ulrike Thomae zeigen, dass Erfolg im Handwerk oft ein Erfolg der ganzen Familie ist. Bei den Holzwerkstätten Thomae aus Gleichamberg, dem MuT-Gewinner in der Kategorie „Fachkräfte sind Zukunft“, sind die Söhne inzwischen mit ins Unternehmen eingestiegen. „Das schafft mir Raum, mich um langfristigere Projekte zu kümmern“, sagt Wolfhard Thomae. Zum Beispiel eine mögliche engere Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bestsellerautor Erwin Thoma, der, wie auch Thomae, voll auf den Baustoff Holz setzt. „Sein erstes Buch habe ich damals in Österreich in die Hände bekommen und es war für mich, als würde ich wieder mit meinem Großvater durch den Wald gehen“, sagt Thomae am Montagabend. Den Zimmermann aus dem Landkreis Hildburghausen und den gelernten Förster aus Österreich verbindet, dass sie von ihren Großvätern gelernt haben, was sie heute über Holz wissen. Siegfried Pause und seine Tochter Larissa, die Köpfe hinter der LLT Applikation GmbH aus Ilmenau, zeigten sich nach der Verleihung des MuT-Preises in der Kategorie „Aufstieg durch Innovation“ besonders glücklich darüber, dass das, was sie leisten, nun auch in der Heimat Anerkennung finde. „Vor Jahren schon hat mir ein Schweizer Uhrenbauer das Kompliment gemacht, dass seine Uhren noch etwas genauer gehen, seitdem er die Bauteile dafür mit unseren Lasermaschinen zuschneidet“, sagt Pause. Nun werde offensichtlich auch in Thüringen die Innovationskraft erkannt, die hinter ihrem Unternehmen stehe. Innovation, Teamgeist, der Mut, neue Wege einzuschlagen, das sind die Eigenschaften, die alle drei Gewinner auszeichnen, die am Montagabend zum ersten Mal im Rahmen der Veranstaltung „Treffpunkt Handwerk“ im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Rohr-Kloster der Handwerkskammer Südthüringen ausgezeichnet wurden. Eigenschaften, die für unternehmerischen Erfolg stehen, aber auch für sportlichen, wie Olympiasiegerin Britta Steffen den zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft versicherte. Mit Vertrag zu Gold Die Ex-Schwimmerin, die sich bei den Spielen 2008 ihren Traum vom Gold über 100 Meter Freistil erfüllte, zeigte auf, dass der Weg zum Erfolg oft nicht gerade verlaufe. Dass manchmal Umwege nötig seien oder völlig neue Ansätze, um zum Erfolg zu kommen. Sie muss es wissen, schließlich wollte Steffen nach frustrierenden Erlebnissen bei den Spielen 2000 und 2004 den Schwimmanzug schon an den Nagel hängen. Erst mit der Unterstützung von Freunden, einer Psychologin, neuen Reizen im Training und der Neudefinition des Verhältnisses zum Trainer sei für sie der Weg frei geworden. „Mit meinem Trainer habe ich einen Vertrag geschlossen. Dass wir uns auf Augenhöhe begegnen, war einer der Punkte, den wir darin festgeschrieben haben. Ich denke, dass ist auch ein ganz wichtiger Punkt für das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer“, so Steffen. So wie der Trainer ohne seine Schwimmerin keinen Erfolg haben könne, so könne der Unternehmer keinen Erfolg ohne seine Mitarbeiter haben. Eine Botschaft, die nicht nur die drei Gewinner, sondern wohl alle im Raum unterschreiben. Doch woher sollen die Mitarbeiter der Zukunft kommen? Aus der Schule, im Idealfall. Kultusminister Helmut Holter (Linke), der inzwischen ein geradezu inniges Verhältnis zur Südthüringer Wirtschaft pflegt, versicherte den Anwesenden, dass das Ziel auch für die Zukunft sein müsse, zumindest in den gefragtesten Ausbildungsberufen eine Berufsschule möglichst nah am Wohnort zu haben. Zudem dankte er den beiden Südthüringer Wirtschaftskammern, dass sie darauf bestanden hätten, dass die Berufsorientierung an Schulen gesetzlich verankert werde. „Genau das haben wir mit dem neuen Schulgesetz getan. Berufsorientierung ist nun Auftrag für alle Schulen“, so Holter. (js)

BU Im Praxiszentrum expo im BTZ Rohr-Kloster wurden im Rahmen des „TREFFPUNKT Südthüringer Handwerk“ die diesjährigen MuT-Preise verleihen. Foto: Michael Reichel