
Südthüringer Handwerk verzeichnet weniger neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in einzelnen Gewerken
Zum Stichtag 31. August verzeichnen die Handwerksbetriebe in Südthüringen einen Rückgang der Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge. Nach dem starken Anstieg des vergangenen Jahres sanken die Zahlen im laufenden Ausbildungsjahr um 6,8 Prozent und liegen jetzt wieder auf dem Niveau von 2024. Besonders zeigt sich dies im Bauhandwerk, im Metall- und Elektrohandwerk sowie bei den kaufmännischen Berufen, während sich im Nahrungsmittel- und Gesundheitshandwerk Zuwächse abzeichnen.
Bauhandwerk verzeichnet Minus, Nahrungsmittelhandwerk zeigt Plus
Im Bauhandwerk liegt das Minus bei 19 Prozent, vor allem bei den Kernberufen Maurer und Zimmerer. Im Metall- und Elektrohandwerk ist ein Rückgang von 10 Prozent zu verzeichnen, hier besonders bei den Kfz-Mechatronikern. Noch deutlicher fällt der Rückgang in den kaufmännischen Ausbildungsberufen aus: Mit einem Minus von 23 Prozent sind insbesondere Automobilkaufleute und Bürokaufleute betroffen. Demgegenüber steht eine positive Entwicklung in einzelnen anderen Gewerken. Im Nahrungsmittelhandwerk ergibt sich ein Plus von 16 Prozent, vor allem durch mehr neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im Bäckerhandwerk. Im Gesundheitshandwerk ist ein Zuwachs von 23 Prozent zu beobachten, der insbesondere auf das Hörakustiker-Handwerk zurückgeht. Bei den Friseurberufen zeigt sich hingegen ein Rückgang.
Azubi-Zahlen differieren stark nach Branche
Das Minus bei den Ausbildungszahlen in Südthüringen ist vor allem auf die Kfz- und die Baubranche zurückzuführen. Hier spiegelt sich die anhaltende Investitionszurückhaltung im Bau- und Ausbaugewerk ebenso wie die aktuelle Entwicklung und die Negativschlagzeilen seitens der Automobilindustrie, die die Zukunftsperspektive der Branche eintrüben. Gleichzeitig werden weiterhin täglich neue Ausbildungsverträge geschlossen, was darauf hinweist, dass die Betriebe nach wie vor aktiv auf der Suche nach Nachwuchskräften sind. „Unsere aktuellen Zahlen machen deutlich, wie stark sich die Entwicklung der Ausbildungsbereitschaft je nach Branche unterscheidet“, sagt Georg Taubenrauch, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südthüringen. Er bewertet die Entwicklungen im Kammerbereich als wichtiges Signal für das Handwerk insgesamt: „Für das Handwerk ist entscheidend, dass wir jungen Menschen die vielfältigen Chancen im Handwerk aufzeigen und die Betriebe bei der Nachwuchsgewinnung unterstützen. Auch wenn die Lage in einzelnen Gewerken angespannt ist, sehen wir, dass viele Unternehmen weiter ausbilden wollen – daran müssen wir gemeinsam anknüpfen“, unterstreicht Taubenrauch. Hierfür sei auch der Erhalt der bewährten Programme zum Berufseinstieg, wie beispielsweise die Bundesförderung der Passgenauen Besetzung, unverzichtbar.
Weiterhin attraktiver Karriereweg
Stefanie von Nordheim, Leiterin der Abteilung Berufsbildung der Handwerkskammer Südthüringen, sieht in der derzeitigen Entwicklung keinen unaufhaltsamen Abwärtstrend in der Handwerksausbildung. Jugendliche würden Handwerksberufe nach wie vor als attraktiven Karriereweg mit flachen Hierarchien für sich wahrnehmen. „Wir liegen mit unseren Zahlen zum Stichtag auf dem Niveau der Jahre 2024 und 2023. In Thüringen ist in den vergangenen Jahren ein flächendeckend gut funktionierender Berufsorientierungsprozess entstanden, der kontinuierlich aufgebaut und weiterentwickelt wurde. MINT-Projekte, das Schülerforschungszentrum, Potenzialanalysen, Berufsfelderkundungen und Betriebspraktika tragen dazu bei, dass die Vielfalt der dualen Berufsausbildung immer bekannter und attraktiver wird“, ordnet von Nordheim die Ausbildungsthematik für das Handwerk ein.
Praktikumsprämie als Erfolgsinstrument
Vor allem die Praktikumsprämie habe sich als erfolgreiches Instrument erwiesen, was auch die Azubi-Umfrage aus dem Frühjahr deutlich zeige: „Das Praktikum ist für viele junge Menschen der Schlüssel für den Einstieg in die duale Ausbildung. Zugleich wurde aber auch sichtbar, dass Erreichbarkeit und Nähe von Berufsschul- und Ausbildungsstandorten zum Wohnort ein wesentliches Kriterium für die Entscheidung zugunsten einer Ausbildung in der Region sind“, so Stefanie von Nordheim. Mittelfristig werde ihrer Einschätzung nach auch der Technologiewandel hin zu Künstlicher Intelligenz das Handwerk attraktiver machen: „KI kann viele Arbeitsabläufe erleichtern, aber das Handwerk nicht ersetzen“, ist von Nordheim überzeugt