Die Profis tischen auf

Praktische Meisterprüfung für sechs angehende Fleischermeister


Wer mit den eigenen Augen sehen (und natürlich mit den eigenen Geschmacksknospen probieren) möchte, was echte Profiarbeit im Fleischerhandwerk ist, der muss sich üblicherweise auf das nächste große Vereinsfest, die nächste runde Jubiläumsfeier oder den nächsten öffentlichkeitswirksamen Firmenempfang begeben. All dies auf einem Fleck bot jedoch auch die praktische Meisterprüfung im Fleischerhandwerk auf dem Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster. Traditionell direkt zum Beginn des neuen Jahres stellten sich hier am 17. Januar sechs angehende Fleischermeister aus Thüringen und Bayern, darunter zwei Frauen, der Beurteilung durch den Meisterprüfungsausschuss. Im Gepäck hatten sie dabei nicht nur ihre Meisterstücke, sondern auch ihre ganz persönliche Motivation auf dem Weg zum Meisterbrief.

In den vergangenen Tagen (und so manchen Nächten) hatten die Aspiranten jeweils ein Buffet zu einem festlichen Anlass für acht bis zehn Personen entworfen, kalkuliert und natürlich hergestellt. Am Prüfungstag wurde das Ergebnis ihrer Mühen nun aufwendig arrangiert und präsentiert. Die ehrenamtlichen Prüfer hatten ein wachsames Auge darauf, dass auch wirklich alle geforderten Aufgaben zur Zufriedenheit und gemäß der gesetzlichen Vorgaben erfüllt wurden. So hatten sie nicht nur den Geschmack und die hand-werkliche Qualität fest im Blick, sondern auch Hygiene, Frische, Herkunft, Form und Zusammensetzung der Produkte. Außerdem mussten sich die Prüflinge einem intensiven Fachgespräch stellen. Neben der praktischen Seite des Meisterprüfungsprojekts wurde darin auch die zugrunde liegende Planung, Kalkulation und Dokumentation auf Herz und Nieren durchleuchtet. Mit Erfolg, denn am Ende des Tages hatten alle sechs die praktische Prüfung bestanden.

Mit dem Meisterbrief ans Ziel

Solche Mühen nehmen Handwerkerinnen und Handwerker, die bereits voll im Berufsleben stehen, natürlich nicht ohne Grund auf sich. Doch die Motivation der Kandidatinnen und Kandidaten dieses Jahrgangs hätte nicht unterschiedlicher sein können. Während etwa Finn Moser und Laurin Streng eines Tages ihre jeweiligen Familientraditionen und –betriebe fortführen wollen, plant Frank Czoppa, sich als Fleischermeister ein zweites berufliches Standbein neben seiner Arbeit in der Pflege aufzubauen. Wie auch seine jungen Kollegen hatte er einst seinen Gesellenbrief als Fleischer erworben. Doch während sie nun entweder direkt oder nur wenige Berufsjahre später hieran anschließen, ist es für ihn eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, die ihm künftig neue Wege eröffnen wird.

Bei Jeremy Kammler verhält es sich genau andersherum: Mit seinem Meisterbrief wird er es sein, der seinem Arbeitgeber zahlreiche Vorteile bringen wird, von der Ausbildung neuer Fachkräfte bis hin zu einem erweiterten Angebot für dessen Kunden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Besuch des Meisterkurses für die beiden organisatorisch und finanziell ein Gemeinschaftsprojekt wurde. Doch natürlich weiß auch Jeremy, weshalb sich der Meister für ihn ganz persönlich lohnt: „Man darf nicht stehenbleiben!“

Und was sagen die Damen in der Kandidatenrunde? Als gelernte Fachverkäuferinnen nutzen Fabienne Böhm und Pia Kröger den Meisterkurs, um ihr Wissen um die Wünsche ihrer Kundschaft mit neuem Fachwissen in der Fleisch- und Wurstverarbeitung zu ergänzen und sich so persönlich weiterzuentwickeln. Während beide in Zukunft vermutlich gerade in der Ausbildung des Nachwuchses eine größere Rolle in ihren Unternehmen spielen werden, schließt sich vor allem für Pia damit der Kreis: Einst hatte sie ihr Lehramtsstudium wegen der Geburt ihres Kindes unterbrochen, dann aber im Handwerk ihre Berufung gefunden. Mit dem Meisterbrief in der Hand könnte sie nun Berufsschüler unterrichten, doch ist nun auch der Einstieg in das Unternehmen eine Option. Der Meisterbrief öffnet eben viele Türen!

Meisterhafte Buffets zeigten die Prüflinge Fabienne Böhm, Jeremy Kammler, Pia Kröger, Laurin Streng, Frank Czoppa und Finn Moser (v.l.n.r.).