
Wie drei Experten das südthüringische Handwerk fit für die Zukunft machen
Stellen Sie sich vor, ein wichtiger Kunde tritt mit einem völlig neuen, technologisch anspruchsvollen Fertigungsauftrag an Ihren Betrieb heran. Die Anfrage ist vielversprechend, doch in Ihrer Werkstatt fehlen bislang das Know-how und die passenden Maschinen für diese spezielle Technologie. Oder eine neue gesetzliche Norm zwingt Sie dazu, Ihre Produktionsprozesse kurzfristig anzupassen und aufwendige Zertifizierungen nachzuweisen, um sich wichtige Aufträge nicht entgehen zu lassen. In solchen Momenten stehen Handwerksunternehmer oft vor weitreichenden und kostspieligen Investitionsentscheidungen. Soll man das wirtschaftliche Risiko eingehen, teure Ausrüstung anschaffen und Mitarbeiter schulen lassen, ohne genau zu wissen, ob sich der Aufwand am Ende auszahlt? Genau an dieser kritischen Schnittstelle setzt eine wertvolle Unterstützung an, die Betriebe partnerschaftlich durch den Dschungel des technologischen Wandels führt.
Mit dem geförderten Programm „Berater für Innovation und Technologie“, kurz BIT, bietet die Handwerkskammer Südthüringen eine maßgeschneiderte Hilfestellung für genau solche Herausforderungen. Das bereits im Jahr 2004 gestartete Programm läuft in der aktuellen Förderperiode bis Ende 2027. Die BIT-Berater übernehmen dabei eine generelle Lotsenfunktion, indem sie moderieren, koordinieren, konkrete Probleme lösen und die technologische Sichtweise der Betriebe erweitern. Ziel ist es, die Innovationsfähigkeit des Handwerks nachhaltig zu stärken, indem Beratung und Schulung verknüpft, das Innovationsmanagement verbessert und neue Technologien erfolgreich eingeführt werden.
Bundesweit sorgt ein stabiles Netzwerk aus rund 120 BIT-Beratern mit jeweils ganz eigenen Spezialisierungen für einen regen Wissensaustausch. Ergänzt werden sie von etwa 30 „Digi-BITs“, deren Schwerpunkt auf Digitalisierungsthemen, IT-Sicherheit und Online-Medien liegt. Bei der Handwerkskammer Südthüringen decken drei Experten diese anspruchsvolle Beratungsaufgabe ab und bedienen dabei thematisch höchst unterschiedliche, faszinierende Fachgebiete. Das Angebot reicht von einer kurzen Telefonberatung bis hin zu mehrtägigen, intensiven Projekten inklusive praktischer Umsetzungshilfe durch Prototypisierung. Ihre Kunden wenden sich an Sie in der Regel mit einer akuten Aufgabe oder auf Empfehlung der Betriebsberatung der HWK Südthüringen. Über die Jahre hinweg haben sich so zahlreiche feste Kontakte zu Firmen und treue Stammkunden entwickelt, die das Angebot aufgrund des hohen Praxisnutzens auch gerne weiterempfehlen. Zwar agieren die Berater primär vor Ort in Südthüringen, doch auch überregionale Kontakte aus Hessen, Unterfranken oder ganz Deutschland sind bei speziellen Fachfragen keine Seltenheit.
Experten für alle Fälle
Einer der erfahrensten Köpfe im Team ist Andreas Hölzer, der bereits seit dem Jahr 2006 im BIT-Programm aktiv ist. Seine Beratungsschwerpunkte liegen in modernen Technologiebereichen wie CNC-, CAD- und CAM-Systemen, der additiven Fertigung, dem Qualitätsmanagement sowie der Automatisierungstechnik, Robotik und Künstlichen Intelligenz. Die Bandbreite seiner Projekte reicht von der technischen Ausstattung eines Start-ups im Bereich der Lebensberatung bis hin zur Einführung neuer Verfahren im modernen Werkzeugbau. Wie konkret diese Hilfe aussieht, zeigt das Beispiel einer renommierten Manufaktur für Modelleisenbahnen. Um ihr Sortiment um ein neues Modell einer Diesellokomotive in Spurweite 0 zu erweitern, fertigte Hölzer im additiven Verfahren die auf passende Größe skalierten Gehäuse als Kleinserie an. Dadurch konnte das Traditionsunternehmen das Potenzial des 3D-Drucks mit verschiedenen Materialien im laufenden Betrieb risikofrei erkunden und prüfen, ob sich eine eigene Investition lohnt. Ein weiteres Beispiel betrifft die Restauration einer historischen Kirchturmuhr. Durch die optische Abtastung der Vorlage und die Erstellung von präzisen Kunststoffformen mittels CAD-Software konnte ein Nachbau in Rekordzeit realisiert werden. Statt einer tagelangen Fertigung von Stahlformen dauerte der Prozess dank moderner Formenkonstruktion nur wenige Stunden, während gleichzeitig alle strengen Vorgaben des Denkmalschutzes gewahrt blieben. Der Handwerksbetrieb konnte so direkt erleben, wie sich zukunftsweisende digitale Verfahren gewinnbringend in traditionelle Arbeitsabläufe integrieren lassen.
Seit April 2026 verstärkt Ingo Klee das Team der Handwerkskammer Südthüringen als BIT-Berater. Als qualifizierter Schweißfachingenieur bringt er eine immense Fachexpertise für ein klassisches und zugleich hochtechnologisches Kernfeld des Handwerks mit. Seine Schwerpunkte umfassen die Qualifizierungsberatung für Unternehmen, Schweißer und Schweißaufsichtspersonen sowie die Prozessorganisation in der schweißtechnischen Fertigung. Darüber hinaus unterstützt er Betriebe bei Werkstoffprüfungen sowie bei der komplexen Zertifizierungsberatung. Ein typisches Beispiel aus seiner Praxis verdeutlicht die Relevanz dieser Arbeit: Wenn ein Metallbaubetrieb bestimmte Aufträge für tragende Stahl- und Aluminiumbauteile annehmen möchte, sind strikte Zertifizierungsmaßnahmen nach DIN EN 1090 erforderlich. Klee informiert die Unternehmen detailliert über die notwendigen Schritte, vermittelt Kontakte zu Zertifizierern und berät bei den erforderlichen Anpassungen der Betriebsorganisation. Dies betrifft etwa die Einführung eines Qualitätsmanagement-Handbuchs oder die vorgeschriebene Schaffung einer Stelle für eine Schweißaufsichtsperson. Zudem steht er den Betrieben beratend zur Seite, wenn es um die richtige Auswahl und Zertifizierung von Schweißzusatzwerkstoffen geht, und hilft beim Aufbau starker Netzwerke.
Das Trio der Innovationsexperten wird durch Thomas Dedek komplettiert, der seit dem Jahr 2024 als BIT-Berater aktiv ist. Seine Fachgebiete zeigen eindrucksvoll, dass Innovation im Handwerk keineswegs auf Metall und Maschinen beschränkt ist: Er ist spezialisiert auf Lebensmitteltechnologie, Anlagentechnik, Energiemanagement und Energieeffizienz sowie auf technische Richtlinien und Normungen. In Zeiten steigender Energiepreise ist seine Beratung zum nachhaltigen Energiemanagement für viele Betriebe ein entscheidender Hebel zur Kostensenkung, gerade im preissensitiven und an hohe Hygienestandards gebundenen Lebensmittelhandwerk. Doch auch im kreativen Bereich setzt Dedek zukunftsweisende Impulse. Ein aktuelles Beispiel seiner Tätigkeit ist die Entwicklung eines Weiterbildungskonzepts zum sogenannten „Food Artist“. Hierbei geht es darum, Nahrungsmittel im digitalen Zeitalter attraktiv in verschiedenen Medien zu präsentieren. Das Konzept umfasst das professionelle Anrichten der Lebensmittel, das sogenannte Food Dressing, sowie moderne Aufnahme- und Bearbeitungstechniken, um handwerkliche Betriebe wie Bäckereien oder Fleischereien bei der zeitgemäßen Kundenansprache zu unterstützen.
Ob es nun um das perfekte Inszenieren von Lebensmitteln geht, um die Digitalisierung eines Fertigungsablaufs mittels 3D-Druck oder um die Bewältigung bürokratischer Hürden bei einer schweißtechnischen Zertifizierung: Die drei BIT-Berater der Handwerkskammer Südthüringen decken ein breites Spektrum ab, von dem alle Mitgliedsunternehmen der Handwerkskammer Südthüringen profitieren können. Das Beste dabei: Das gesamte Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert. Für kleine und mittelständische Unternehmen ist die umfassende Beratung daher vollkommen kostenfrei.
Nutzen Sie die Chance, Ihr Unternehmen zukunftssicher aufzustellen! Die BIT-Berater der Handwerkskammer Südthüringen entwickeln gemeinsam mit Ihnen innovative Lösungen und helfen Ihnen dabei, die Wettbewerbsfähigkeit Ihres Betriebs nachhaltig zu stärken.

Vom 3D-Druck bis zur Schweißnaht: Andreas Hölzer (l.) und Ingo Klee (r.) haben aktuelle Innovationen stets fest im Blick.