
Die Geschäftslage im Südthüringer Handwerk stabilisiert sich, doch viele Betriebe sind noch vorsichtig
Die wirtschaftliche Lage des Südthüringer Handwerks verharrte in den vergangenen Monaten in einem Tief wie zuletzt zur Zeit der Corona-Pandemie. Nun könnte sich ein allmähliches Ende des Abwärtstrends andeuten. Laut Auswertung der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Südthüringen im dritten Quartal 2026 hat die Entwicklung in den teilnehmenden Mitgliedsunternehmen wieder etwas an Dynamik gewonnen. Auftragslage und Umsätze haben sich auf niedrigem Niveau verbessert Der Geschäftslageindex stieg auf 60 Punkte, nach 52 im Frühjahr und 56 im Vorjahr. Ein Indexwert von 50 beschreibt dabei, wenn sich positive und negative Einschätzungen zur Geschäftslage die Waage halten.
In der aktuellen Umfrage bewerten 41 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 38 Prozent als befriedigend und 21 Prozent als schlecht. Die Einschätzung fällt damit positiver aus als im Vorjahr (damalige Werte: 36/41/23 Prozent) und merklich besser als noch im Frühjahr 2026. Besonders deutlich verbesserte sich die Lage im Bauhandwerk. Auch die Anbieter handwerklicher Dienstleistungen sowie Bäcker, Fleischer und Konditoren bewerteten ihre Geschäftslage optimistischer als in den beiden vorangegangenen Berichtsquartalen.
Die Geschäftserwartungen bleiben jedoch insgesamt gedämpft: Nur 8 Prozent der Betriebe rechnen in den kommenden Monaten mit einer besseren, 26 Prozent dagegen mit einer schlechteren Geschäftslage.

Nach dem Einbruch im Frühjahr hat sich der Geschäftslageindex wieder etwas erholt.
Beim Blick auf die Einzelindikatoren fällt vor allem auf, dass sich Auftragslage und Betriebsauslastung im Berichtsquartal gegenüber den beiden letzten Vergleichszeiträumen leicht verbessert haben. Der durchschnittliche Auftragsbestand ist gegenüber dem dritten Quartal 2025 von 7 auf 8 Wochen gestiegen.
Dieser Trend hat allerdings noch nicht alle Unternehmen gleichermaßen erreicht. Über alle Branchen und Unternehmen betrachtet, ist der Anteil der Betriebe mit Auftragseinbußen (29 Prozent) weiterhin höher als der Anteil der Betriebe, die eine verbesserte Auftragslage melden (13 Prozent). Nur sieben Prozent der Befragten bewerten sie als überdurchschnittlich, 30 Prozent hingegen weiterhin als unterdurchschnittlich. Der im Schnitt verbesserte Auftragsbestand geht somit auf herausragende Entwicklungen einzelner Unternehmen zurück. Entsprechend erwarten im kommenden Quartal bislang erst neun Prozent der Betriebe einen steigenden Auftragseingang. 24 Prozent rechnen mit einem weiteren Rückgang, besonders die Zulieferer für den gewerblichen Bedarf.
Auch bei der Umsatzentwicklung deutet sich eine allmähliche Stabilisierung an. 17 Prozent der Betriebe erzielten höhere Umsätze, 30 Prozent verzeichneten dagegen gesunkene Umsätze. Die Umfrageteilnehmer rechnen somit zwar weiterhin mit mehrheitlich sinkenden Zahlen, jedoch fällt die Einschätzung besser aus als in den Vergleichszeiträumen der letzten beiden Jahre.
Begründet liegen könnte diese Einschätzung auch im Preisdruck. Die Einkaufspreise sind weiter gestiegen und wirken sich potentiell dämpfend auf die Erholung der Südthüringer Wirtschaft aus. 76 Prozent der befragten Betriebe verzeichneten höhere Ausgaben (Vorjahr: 57 Prozent). Zugleich konnten lediglich 41 Prozent (Vorjahr: 28 Prozent) der Umfrageteilnehmer höhere Verkaufspreise umsetzen. Die Kostensteigerungen ließen sich somit weiterhin nicht flächendeckend an die Kunden weitergeben. Um diese Lücke zu schließen, plant in den kommenden Monaten mehr als die Hälfte der Betriebe, ihre Preise anzuheben.

Die Mehrzahl der Umfrageteilnehmer berichtet von steigenden Einkaufspreisen.
Auf dem Arbeitsmarkt überwiegen erstmals seit fünf Jahren wieder die Betriebe mit einem Beschäftigungszuwachs gegenüber denen mit einem Beschäftigungsabbau. Elf Prozent der Betriebe haben zusätzliches Personal eingestellt, wohingegen zehn Prozent einen Rückgang der Beschäftigtenzahlen melden. Vor allem in Bau- und Ausbaubetrieben wurden wieder mehr Mitarbeiter eingestellt. Allerdings schlägt sich diese Entwicklung noch nicht in den Zukunftsaussichten nieder: 14 Prozent der Betriebe rechnet – teils auch vor dem Hintergrund saisonaler Schwankungen – mit sinkenden Beschäftigtenzahlen in den kommenden Monaten, nur 3 Prozent mit steigenden.
Die zuletzt stark rückläufige Investitionstätigkeit im Südthüringer Handwerk bleibt angesichts des noch uneindeutigen Trends verhalten. Im Berichtsquartal investierten nur noch 35 Prozent der befragten Betriebe (Vorjahr: 40 Prozent). Die durchschnittliche Investitionssumme stieg jedoch um mehr als ein Drittel.
Erleichterung mit großen Fragezeichen
Nach Monaten im wirtschaftlichen Dauertief sendet das regionale Handwerk erste positive Lebenszeichen, die Lage bleibt jedoch auf wackeligem Fundament. Vor dem Hintergrund der neuesten Konjunkturzahlen warnt Georg Taubenrauch, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südthüringen, eindringlich vor verfrühtem Optimismus. Die Politik müsse jetzt handeln, um die sich vielleicht endlich abzeichnende Trendwende nicht im Keim zu ersticken.
Zwar zeige das Barometer der Kammer allmählich wieder nach oben, doch dürfe man diese Hoffnungsbotschaft nicht fehlinterpretieren: „Erste Erholungssignale sind da, aber sie sind noch sehr schwach. Unsere Mitgliedsbetriebe fahren weiterhin komplett auf Sicht. Es fehlt nach wie vor an Planbarkeit“, so seine Einordnung.
Der Hauptgeschäftsführer lenkt den Blick vor allem auf die tieferen Risse im Fundament der Wirtschaft. Die Zeichen der Erholung seien keineswegs bereits in der Breite angekommen, sondern werden maßgeblich von wenigen Akteuren getragen. Diese könnten durchaus als konjunkturelle „Leuchttürme“ fungieren, doch stehe ihnen eine Mehrheit von Unternehmen gegenüber, die nach wie vor mit harten Auftragseinbußen kämpfen – allen voran die industriellen Zulieferer der Region, die an der Entwicklung ihrer Großkunden hängen.
Ein zentraler Brandherd sei laut Taubenrauch der immense Preisdruck. Die heimische Wirtschaft fungiere hier unfreiwillig als Stoßdämpfer der Inflation, was die ohnehin geschrumpften Margen auffresse. „Die Politik muss ihren Ankündigungen aus dem Wahlkampf zeitnah Taten folgen lassen und bei den Energiekosten und den Lohnnebenkosten gegensteuern, um das Wachstum nachhaltig zu stimulieren“, stellt Taubenrauch klar.
Besonders deutliche Worte findet der Hauptgeschäftsführer für die Situation im Bauhandwerk. Obwohl die Sparte leichte Stabilisierungstendenzen zeigt, blockiere die anhaltende regulatorische Hängepartie die langfristigen Perspektiven. Taubenrauch drängt daher auf die schnelle Umsetzung vereinfachter Baustandards: „Wir reden seit Monaten über den ‚Gebäudetyp E‘ für einfaches, innovatives Bauen, doch die Umsetzung verzögert sich stetig.“ Bauen müsse in Deutschland endlich wieder bezahlbar und unbürokratisch werden.
Am unternehmerischen Mut des regionalen Handwerks fehle es nicht. Sein Tatendrang müsse aber durch Verlässlichkeit, Vereinfachungen und Entlastungen gestützt werden. Dann könne es auch aus dieser Konjunkturschwäche gestärkt hervorgehen. „Lasst das Handwerk einfach wieder machen!“, so das prägnante Fazit des Hauptgeschäftsführers.
Informationen zur Umfrage
An der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Südthüringen im dritten Quartal 2026 beteiligten sich 451 Betriebe mit 3988 Mitarbeitern. Zum 30. September 2026 waren 6346 Handwerksunternehmen in der Handwerksrolle der HWK Südthüringen registriert.
Berechnung Index: Anzahl gut + Anzahl befriedigend * 0,5 (höchster Wert 100, niedrigster Wert 0)

Die Verschlechterung der Geschäftslage im Bauhandwerk scheint vorerst gestoppt.