
78. Vollversammlung tagt
Krisen, eine lahmende Konjunktur und Hoffnungen auf politische Weichenstellungen – In dieser Situation sei es entscheidend für die Interessenvertretung des Südthüringer Handwerks gewesen, eine klare wirtschaftspolitische Grundhaltung zu beziehen. Mit diesem Fazit eröffnete Kammerpräsident Mike Kämmer seinen Bericht zur 78. Vollversammlung der Handwerkskammer Südthüringen, die am 22. Juni in der Klosterkirche des Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster stattfand.
Kritik an Symbolpolitik
Die regionale Wirtschaft blicke auf ein turbulentes Jahr zurück, konstatierte der Präsident. Internationale Konflikte wie der Iran-Krieg und Zollstreitigkeiten mit den USA belasteten die Betriebe, die auf stabile Lieferketten angewiesen seien.
Die bisherigen Reaktionen der Bundesregierung seien dabei unter den Erwartungen des Südthüringer Handwerks geblieben, so etwa die fehlgeschlagene Idee einer steuerfreien Entlastungsprämie. Zwar habe die HWK Südthüringen das Ziel staatlicher Hilfe generell begrüßt, die Maßnahme selbst jedoch als Eingriff in die unternehmerische Freiheit kritisiert: „Diese Symbolpolitik zulasten unserer Handwerksunternehmen war mit uns nicht zu machen“, so Mike Kämmer.
Alarmiert habe sich die Kammer ebenfalls gezeigt über diskutierte Pläne, die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen zu streichen. Die HWK habe deshalb die Bundestagsabgeordneten im Kammerbezirk schriftlich auf die damit verbundenen, negativen Folgen hingewiesen und eigene Gestaltungsideen eingebracht. Ein Wille zum Dialog, der sich auch an anderer Stelle gezeigt habe: Beim „Runden Tisch“ zum Bürokratieabbau mit zwei Thüringischen Staatssekretären hätten jüngst Unternehmer aus der Region eindrucksvoll geschildert, welche Auswirkungen der jahrelange Zuwachs an Antrags- und Dokumentationspflichten auf ihren handwerklichen Alltag hat. Die Ergebnisse werde die HWK in einem Positionspapier bündeln und die anstehenden Reformen des zweiten Entlastungsgesetzes kritisch begleiten.
Unterstützung und Interessenvertretung
Die konjunkturelle Lage im Bezirk untermauert die Notwendigkeit einer starken Interessenvertretung, wie Hauptgeschäftsführer Georg Taubenrauch in seinem ersten Bericht aus dem Hauptamt resümierte. Laut Frühjahrsumfrage verharrten Auftragslage, Umsatz und Auslastung auf einem Tiefstand seit der Finanzkrise 2009. Zudem erreichten immer mehr Handwerker ohne Betriebsnachfolger das Rentenalter. „Die Südthüringer Wirtschaft steht an einem Scheideweg“, so Georg Taubenrauch.
Angesichts dieser Herausforderungen agiere die Handwerkskammer als Interessenvertreter und Dienstleister ihrer Handwerksunternehmen. Hierzu zähle die zuletzt verstärkt nachgefragte Nachfolge- und Gründungsberatung ebenso wie der Ausbau des Fort- und Weiterbildungsangebots. Steigende Ausbildungszahlen stimmten hoffnungsvoll, doch müsse die flächendeckende berufliche Orientierung sichergestellt werden.
Beschlüsse gefasst
Nach den Berichten aus Ehrenamt und Hauptamt mündete die Vollversammlung in zahlreichen Beschlussfassungen, die jeweils einstimmig angenommen wurden. Neben Anpassungen bei den Überbetrieblichen Lehrunterweisungen sowie der Modernisierung der Prüfungsordnungen stand die Haushaltsführung der HWK Südthüringen im Fokus. Nach den Berichten der Wirtschaftsprüfer und des Rechnungsprüfungsausschusses wurden die Jahresrechnung für das abgelaufene Haushaltsjahr 2025 und die Beschlussvorlage zu den Rücklagen nach Ergebnisverwendung offiziell abgenommen und dem Vorstand sowie der Geschäftsführung die Entlastung erteilt.

In der letzten regulären Sitzung der Wahlperiode befasste sich die Vollversammlung mit insgesamt sieben Beschlussvorlagen.