
Die Deutsche Meisterschaft im Klempnerhandwerk wurde in Meiningen ausgetragen
Die Geräusche von Hammerschlägen auf Metall und das Surren von Bohrmaschinen passt in die Kulisse der Dampflokerlebniswelt in Meiningen, wo Mitte November die Deutsche Meisterschaft im Klempnerhandwerk stattfand. Im Nebengebäude werden freilich mit weitaus schwererem Gerät bis heute Dampflokomotiven repariert und instand gesetzt. Doch Michael Messerschmidt, Klempnermeister aus Fambach und Bundesfachgruppenleiter der Klempner im Zentralverband Sanitär Heizung Klima (SHK), hätte keinen eindrucksvolleren Austragungsort für das Kräftemessen junger Handwerkstalente finden können.
Thüringen geht ins Rennen
Der Berufswettbewerb der Klempnerinnen und Klempner findet alle zwei Jahre im Rahmen der SHK-Fachmesse GET Nord in Hamburg statt. Dazwischen wechselt der Austragungsort und konnte in diesem Jahr auf Initiative Messerschmidts nach Südthüringen geholt werden. Dass sich in Meiningen, nahezu in Sichtweite zur Dampflokerlebniswelt, das Berufsbildungszentrum als Ausbildungseinrichtung für Klempnerinnen und Klempner aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt befindet, und unter der Ägide von Thomas Koch seit vielen Jahren ein guter Ausbildungsstandard herrscht, verdeutlicht die passende Wahl des diesjährigen Wettbewerbsdomizils.
Insgesamt acht Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet stellten sich dem Kräftemessen, für das sich qualifiziert, wer die Gesellenprüfung mit besten Noten des Jahrgangs abschließt.
Zu ihnen zählt Stine Klosa aus Saalfeld, die für Thüringen antritt. Sie schloss ihre Ausbildung im Meisterbetrieb von Michael Messerschmidt vorzeitig und mit Bestnote ab. Für sie und auch ihre jungen Berufskollegen ist es ein besonderes Erlebnis, bei der Meisterschaft dabei zu sein. Konkurrenzkampf gebe es nicht, jeder helfe jedem. „Wir sind eine coole Gemeinschaft und es ist eine Ehre, hier dabei sein zu dürfen“, sagt die 21-Jährige, die gerade ihre Meisterausbildung begonnen hat.
Präzision ist gefragt
Die Aufgabe, die an diesem Tag an die Klempnergesellin und –gesellen gestellt wird lautet, eine filigrane Überdachung für eine Hollywoodschaukel zu fertigen. Eine Aufgabe die aus Handgriffen besteht, die im Berufsalltag eines Klempners nicht ungewöhnlich sind. Doch die Besonderheit liegt darin, das Doppelstehfalzblech konisch zu schneiden und so anzubringen, dass die oberen und unteren Dachabschlüsse gerade und bündig verlaufen. Der Klempnernachwuchs ist kurz nach Wettbewerbsbeginn sofort konzentriert bei der Sache, denn es ist Präzision gefragt.
Den Startschuss für den Wettbewerb geben Schmalkalden-Meiningens Landrätin Peggy Greiser, die anerkennende Worte für das Handwerk findet, das aus der Region nicht mehr wegzudenken sei: „Ohne Handwerk läuft hier nichts!“ Der Wettbewerb zeige „die tollen Perspektiven und Chancen im Handwerk“, so die Landrätin. Auch der neue Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima, Daniel Föst, bricht in seinen Eröffnungsworten eine Lanze für das Handwerk: „Der Handwerksberuf ist nachhaltig, innovativ und hat Zukunft. Hier müssen sie sich nicht mit der KI anlegen“, beschreibt Föst die Zukunftsaussichten für den Berufsnachwuchs. Einen großen Dank richten beide nicht nur an Klempnermeister Michael Messerschmidt sondern an auch an alle weiteren Unterstützer und Sponsoren der Meisterschaft, allen voran PREFA. Das Unternehmen stellt an diesem Tag das Material sowie die Arbeitsplätze für die Wettbewerbsteilnehmer zur Verfügung und organisierte bereits vorab ein Training für die jungen SHK-Fachleute, um sich mit der Wettbewerbsaufgabe vertraut zu machen.
Handwerkswettbewerb im Live-Format
Die Deutsche Meisterschaft im Handwerk (German Craft Skills) wird jährlich unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz ausgetragen. In rund 130 Handwerksberufen werden die Besten ihres Fachs gesucht. Dass der Wettbewerb der Klempnerinnen und Klempner öffentlich ausgetragen wird, ist erst seit vier Jahren Standard, wie Michael Kober vom Zentralverband SHK berichtet. Vorher fertigten die Teilnehmer ihre Arbeitsstücke in ihren Werkstätten, anschließend erfolgte eine zentrale Auswertung. Ein Live-Wettbewerb biete da ganz andere Möglichkeiten, sei aber auch eine Herausforderung. Es müsse umfangreicher organisiert und Sponsoren gefunden werden, ohne die es nicht gehe, unterstreicht Kober. Der Titel „Deutscher Meister im Klempnerhandwerk“ gebührt nach acht Stunden Wettbewerbszeit und anschließender Auswertung Klempnergeselle Andreas Beck aus Baden-Württemberg, der sich über eine Medaille und ein Preisgeld von 1.500 Euro freut. Auch Jason Fischer und Eric Bruchhold aus Berlin sind Medaillengewinner und nehmen als Zweit- und Drittplatzierter 1.000 Euro und 500 Euro mit nach Hause.

Stine Klosa ging für Thüringen ins Rennen um den Meisterschaftstitel im Klempnerhandwerk.