Vollversammlung an historischem Datum

76. Gremiensitzung bilanziert Jubiläumsjahr der Handwerkskammer und blickt auf 2026 voraus


Das Parlament des Südthüringer Handwerks fand sich zu seiner zweiten und letzten Zusammenkunft im 125. Jubiläumsjahr der Kammer an symbolträchtigem Datum in der Klosterkirche auf dem Bildungscampus des BTZ Rohr-Kloster ein. Am Samstag, den 13. Dezember tagte die 76. Vollversammlung mit 18 der insgesamt 24 Mitglieder des Gremiums und würdigte dabei die Erinnerung an den historischen Gründungstag der Handwerkskammer Südthüringen.

Präsident Mike Kämmer eröffnete die Versammlung mit einem dreiminütigen filmischen Rückblick auf die 125-jährige Kammergeschichte, der im Rahmen der Meisterfeier 2025 im November in Oberhof seine Premiere hatte und anlässlich des Kammergeburtstages entstanden war. Im Anschluss begrüßte der Präsident die anwesenden Vollversammlungsmitglieder mit Zitaten aus der historischen Festschrift zum 25. Kammerjubiläum des Jahres 1925. Kämmer unterstrich, dass die Anliegen der Interessenvertretung für das Handwerk damals wie heute ähnlich seien und im Verlauf eines Jahrhunderts auch kaum an Aktualität verloren hätten: „Auch heute sieht sich unsere heimische Wirtschaft wieder großen Herausforderungen gegenüber. Auch heute sucht das Handwerk seinen Weg und wird rückblickend feststellen, dass einige Wünsche und Hoffnungen unerfüllt geblieben sind, während man durch gemeinsame Anstrengungen Vieles erreichen konnte. Und auch heute weiß die Öffentlichkeit nur allzu gut, dass dieses Land sein Handwerk nicht entbehren kann.“

Dank an Haupt- und Ehrenamt

Der Kammerpräsident würdigte in seinen einleitenden Worten das Engagement der ehrenamtlich Tätigen und der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne die das Funktionieren der Handwerkskammer nicht möglich wäre. Viele Veranstaltungen, zahlreiche Besuche bei Handwerksunternehmen in der Region und die anhaltenden Kontakte zur Politik hätten auch im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass das Handwerk prominent gesehen, vertreten und dessen Leistungen ausgezeichnet wurden, so Kämmer.

Mike Kämmer dankte drei verdienten Vollversammlungsmitgliedern, die zum Ende des Jahres aus ihrem Amt ausschieden. Nicky Luise Kleinteich war 2021 für die Arbeitgeberseite in die Vollversammlung nachgerückt und wird künftig als Ausbilderin des Fachbereichs Friseur und Kosmetik auf dem Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster tätig sein.

Auch Mario Hau wurde für seine engagierte Arbeit gewürdigt. Hau vertrat seit seiner Wahl 2006 die Arbeitnehmerseite, war zwischen 2009 und 2021 Mitglied des Vorstandes und davon zwischen 2016 und 2021 Vizepräsident der Handwerkskammer Südthüringen. Er erhielt 2012 die Ehrennadel in Silber für seinen Einsatz um den Interessenausgleich zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft. Mario Haus Tätigkeit als Vollversammlungsmitglied endete zum Jahreswechsel, da sein Arbeitgeber künftig nicht mehr in der Handwerksrolle eingetragen ist.

Ebenfalls wurde Gregor Weidner aus der Vollversammlung verabschiedet, der 2019 in die Vollversammlung zugewählt worden war und seither auch in seiner Vorstandstätigkeit wertvolle Akzente gesetzt hatte. Für Gregor Weidner wurde der 53-jährige Daniel Hinske einstimmig als Vorstandsmitglied nachgewählt. Hinske ist Elektrotechnikermeister und Geschäftsführer eines Handwerksunternehmens in Römhild. Er hatte bislang das Amt des stellvertretenden Kreishandwerksmeisters der Kreishandwerkerschaft Schmalkalden-Meiningen inne, welches er mit seiner Wahl in Kammervorstand niederlegte.

Bericht aus dem Hauptamt

In ihrem Bericht aus dem Hauptamt zum zurückliegenden Jahr widmete sich die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin, Sabine Bednarzik, einer Bilanz der Arbeit der einzelnen Abteilungen der Handwerkskammer Südthüringen. Wie Bednarzik zunächst für den Bildungsbereich zusammenfasste, versprächen die stabilen, in einzelnen Berufen sogar steigenden Ausbildungszahlen eine positive Entwicklung in der Berufsbildung, die auch 2025 mit einer breiten Präsenz auf Ausbildungsmessen und Schulveranstaltungen den Kontakt zum Berufsnachwuchs nachhaltig gestärkt habe. Die Handwerkskammer Südthüringen werde sich auch weiterhin intensiv dafür einsetzen, die derzeitige Landesstrategie der praxisnahen beruflichen Orientierung weiterzuführen und kündigte einen engen Dialog mit den zuständigen Ministerien an. Die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin richtete zudem ihren Dank an viele Handwerkerinnen und Handwerker, die sich zum 1. Januar dieses Jahres in insgesamt 27 neu bestellten Gesellenprüfungsausschüssen im Prüfungswesen engagierten.

Ausstattungsinvestitionen in den Bildungscampus

In der Rückschau auf die Arbeit des Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster lobte Sabine Bednarzik die kontinuierliche Weiterentwicklung der Tätigkeitsfelder in der Aus- und Weiterbildung. Im Kfz-Handwerk konnten mit neuen Ausstattungsinvestitionen zusätzliche Hochvoltlehrgänge ins Kursprogramm aufgenommen werden. Für das SHK-Handwerk wurde eine Ausbildungsstätte speziell für Wärmepumpensysteme und Raumlufttechnik eingerichtet, um Fachkräfte auf diesem Gebiet zu schulen. Modernste Simulationstechniken wurden im Bereich „Schweißen“, im Bereich „Farbe, Holz und Bau“ und für die Gestalter im Handwerk eingeführt. In den Ausbildungsbereichen Kfz, Elektrotechnik und Lebensmittel wurden sowohl Investitionen in die Ausbildungstechnik als auch in die Infrastruktur getätigt.

Rückgang bei Unternehmenszahlen


Mit Blick auf die Entwicklung der Unternehmenszahlen im Südthüringer Handwerk musste die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin einen Rückgang der Betriebe vermelden. Dies sei maßgeblich demografischen Ursachen geschuldet, da Betriebsinhaber zunehmend in den Ruhestand gingen und die Unternehmen nicht weitergeführt werden könnten. Dieses Nachfolgeproblem würde auch 2026 das Handwerk weiter beschäftigen, so Bednarzik vorausblickend. Bürokratische Hemmnisse und die angespannte allgemeine wirtschaftliche Situation führten ebenfalls dazu, dass Neugründungen im Handwerk in nennenswerten Größenordnungen ausblieben. Dies habe zur Folge, dass auch in Bezug auf die betriebswirtschaftliche Beratung der Handwerkskammer die Aspekte der Unternehmensnachfolge, der Gründeraktivierung, der Digitalisierung sowie Nachhaltigkeits- und Energiethemen die nachgefragten Beratungsangebote bestimmten.

Im weiteren Verlauf verabschiedete Kammerpräsident Mike Kämmer nach der einstimmigen Annahme der vorgelegten Beschlussvorlagen und –fassungen die Vollversammlungsmitglieder in die bevorstehende Weihnachtszeit und betonte auch für 2026 seinen Wunsch nach einer guten Zusammenarbeit im Sinne des Südthüringer Handwerks.

Die Vollversammlung blickte auf die Arbeit der Handwerkskammer im zurückliegenden Jahr und stellte die Weichen für 2026.